
An einem Cabernet
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Halte ein Glas Cabernet Sauvignon aus dem Aconcagua-Tal gegen das Licht. Du siehst fast nichts hindurch. Die Farbe reicht von dunklem Rubin bis fast Schwarzviolett, viel dichter als bei einem Sangiovese aus Italien oder einem Pinot Noir von der Küste. Diese Tiefe kommt von dicken Schalen, die sich gegen die starke Sonne von Panquehue wehren müssen.
In der Nase kommt zuerst schwarze Johannisbeere, dahinter Zeder und ein Hauch geröstetes Brot vom Fass. Bei vielen Weinen aus dem Tal mischt sich noch etwas anderes hinein, das Neulinge überrascht. Ein kühler, fast medizinischer Ton nach Eukalyptus. Der Grund steht am Feldrand. Entlang vieler Weinberge wachsen Eukalyptusbäume als Windschutz, und ihr ätherisches Öl wandert über die Luft bis in die Traubenschale hinein. Es ist ein Aroma, das man in Bordeaux nie finden wird, so sehr man auch sucht.
Im Mund meldet sich zuerst die Säure, seitlich an der Zunge. Sie ist kräftig genug, um nach dem ersten Schluck den Speichel fließen zu lassen. Gleich danach kommt das Tannin, ein trockener, griffiger Belag am Zahnfleisch, der bei einem jungen Wein aus Panquehue durchaus an Sandpapier erinnern darf. Das ist kein Fehler. Cabernet Sauvignon aus dem Tal wird für die Flasche gemacht, die man in zehn Jahren öffnet, nicht für den Dienstagabend.
Am Ende zähl die Sekunden, die der Geschmack nach dem Schlucken bleibt. Bei einem einfachen Wein sind das drei oder vier, bei einem Seña oder einem gereiften Don Maximiano leicht über zwanzig, und dieser lange Abgang unterscheidet die großen Weine des Tals von den einfachen zuverlässiger als jede Medaille. Wer ihn einmal gezählt hat, vergleicht danach jeden Wein an diesem Maßstab.