
Fundo bis Ikonenwein
Region & Geschichte
Kaulquappen gaben dem Tal seinen Namen. Die Mapuche nannten die Gegend Colchagua: colthau für Kaulquappe, hue für Ort, lange bevor hier ein einziger Rebstock stand. Die Spanier brachten den Weinstock erst später. Der Name aus der Sprache der Mapuche blieb älter als jede Rebe im Tal.
Am 17. Mai 1742 gründete der Gouverneur José Manso de Velasco mitten im sumpfigen Land zwischen dem Tinguiririca und dem Fluss Antivero eine Stadt, die er Villa San Fernando de Tinguiririca nannte. Dreihundert Familien bekamen dort ihr Land. Daraus wuchs San Fernando, bis heute die Provinzhauptstadt von Colchagua, umgeben von großen Landgütern, den sogenannten fundos, in denen ein Pachtsystem namens inquilinaje regierte: Der Pächter durfte ein kleines Stück Land für sich selbst bestellen, schuldete dem Gutsherrn dafür aber fast das ganze Jahr seine Arbeit. Weizen für Peru trieb dieses System an, nicht Wein.
Ein Zufall der Geografie bewahrte Colchagua vor der Reblaus, jenem Schädling, der im neunzehnten Jahrhundert fast alle Weinberge Europas vernichtete. Atacama im Norden, Anden im Osten, Pazifik im Westen. Nichts davon ließ die Laus durch. Deshalb stehen in Colchagua bis heute wurzelechte Reben, und als die Französin Alexandra Marnier-Lapostolle 1994 im Amphitheater von Apalta ein verwildertes Rebstück entdeckte, waren die Stöcke ungepfropft und stammten schätzungsweise aus dem Jahr 1915.
Dasselbe Jahr brachte einen zweiten Fund. Ein Rebsortenkundler aus Montpellier erkannte im November 1994 in einem Weinberg bei Santiago, dass angebliche Merlot-Reben in Wahrheit Carmenère waren, eine seit hundertfünfzig Jahren verschollene Bordeaux-Sorte. 1998 wurde sie offiziell anerkannt. Colchagua, allen voran Apalta und Peralillo, wurde zu einem der Orte, an denen sie am besten reift. Aurelio Montes hatte damit schon 1988 begonnen, Hänge statt Talböden zu bepflanzen, gegen den Rat der meisten Nachbarn.
Heute trägt das Tal den Titel Zona Valle de Colchagua, festgelegt seit 1994 in Chiles Herkunftsrecht. Santa Cruz eröffnete 1996 die erste Weinstraße des Landes. Ein Jahr zuvor öffnete das Museo de Colchagua. 2005 kürte die Zeitschrift Wine Enthusiast Colchagua zur Weinregion des Jahres. Aus Kaulquappen-Land war ein Weinland geworden.