Rebsorten in der Region Colchagua

Cabernet trifft Carmenère

Rebsorten

Eine Rebe beherrscht das Tal. Cabernet Sauvignon steht auf mehr Fläche als jede andere Sorte in Colchagua, von den Kieshängen bei Marchigüe bis zu den Terrassen um San Fernando, dick berankt und so spätreifend, dass sie die trockenen, warmen Sommer des Tals mühelos verträgt.

Lange wusste hier niemand, dass er Carmenère im Weinberg stehen hatte. Winzer hielten sie für Merlot. Erst 1994 erkannte ein Rebsortenkundler die eigenständige Bordeaux-Sorte. Reif schmeckt Carmenère nach dunkler Kirsche und Kakao, zu früh gelesen dagegen vor allem nach Paprika, dem typischen Geruch eines Aromastoffs namens Pyrazin, der erst mit langem Hängenlassen am Stock verschwindet. Deshalb kommt sie im Tal fast immer als Letzte in den Bottich, oft erst im April oder Mai.

Syrah bekommt die steileren, steinigeren Parzellen. Auf mäßig geneigten Hängen zügelt der karge Boden ihren Wuchsdrang, während Cabernet Sauvignon eher die flacheren, tonreicheren Lagen mit rundem Kies bevorzugt, etwa rund um Marchigüe. Ein typischer Verschnitt aus dem Tal mischt beide mit etwas Carmenère, fünfundachtzig zu zehn zu fünf Prozent, und reift dann in französischer Eiche.

Bis in die Achtzigerjahre wuchsen die meisten Reben im flachen Talgrund, dicht gepflanzt und auf hohen Ertrag getrimmt. Das änderte sich mit engerer Pflanzung und weniger Kilo pro Stock. Der Wein wurde konzentrierter, dunkler, tanninreicher. Diese Hanglagen, allen voran in Apalta, tragen heute die teuersten Weine des Tals.

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