
Mazeration und Barrique
Herstellung
Von Hand geerntet, wandern die Trauben in Colchagua in kleine Kisten und auf den Sortiertisch, bevor die Beeren von den Stielen abgetrennt werden. Ein Teil der Maische darf danach mehrere Tage kühl ruhen. Das schont den empfindlichen Most. Diese Kaltmazeration zieht schon vor dem Alkohol Farbe und Aroma aus der Schale.
Die eigentliche Gärung dauert etwa eine Woche bis zehn Tage. Danach folgt meist eine zweite, mildere Gärung in Stahltanks oder Beton, der biologische Säureabbau: Bakterien wandeln dabei die scharfe Apfelsäure in weichere Milchsäure um, ein Vorgang, der bei kräftigen Rotweinen aus dem Tal bis zu drei Wochen dauern kann.
Ein Teil des Weins geht anschließend ins Holz. Übliche Verschnitte aus Cabernet Sauvignon, Syrah und etwas Carmenère reifen oft zu rund zwei Dritteln zwölf Monate lang in französischer Eiche, gemischt aus neuem und schon gebrauchtem Holz, damit die Röstaromen die Frucht nicht überdecken. Die Erträge im Weinberg bleiben dabei bewusst niedrig, oft nur um die sieben Tonnen je Hektar. Ikonenweine wie Clos Apalta, seit 2004 in einem sechsstöckigen Schwerkraft-Weingut gekeltert, bekommen fast nur neue Fässer und deutlich mehr Zeit. Schwerkraft ersetzt dort jede Pumpe.
Auf dem Etikett bedeuten Reserva und Gran Reserva in Chile weniger, als sie klingen: Gesetzlich verlangt ist dafür nur ein Mindestalkoholgehalt, keine bestimmte Fasszeit und keine Verkostung. Verlässlicher ist die Herkunftsangabe selbst. Das kontrolliert die Behörde SAG. Ein Wein mit der Bezeichnung Valle de Colchagua muss zu mindestens fünfundsiebzig Prozent tatsächlich aus dem Tal stammen.