
An einem Cabernet-Verschnitt
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Halte ein Glas Colchagua-Rotwein gegen einen hellen Hintergrund und kipp es leicht. Genau hinsehen lohnt sich. Die Farbe reicht von tiefem Karmesinrot bis fast Schwarzviolett, dichter als bei den meisten anderen chilenischen Rotweinen: ein erster Hinweis auf die kleinen, konzentrierten Beeren von den Granithängen.
In der Nase kommt zuerst reife dunkle Frucht wie Pflaume und Kirsche, manchmal ein Hauch von eingekochtem Himbeersirup, und schwenkst du das Glas, treten dazu noch Tabak, Leder und eine süßliche Röstnote vom Fass. Riecht der Wein zusätzlich nach Veilchen oder dunkler Beere, steckt meist ein Schuss Syrah im Verschnitt. Steckt Carmenère im Verschnitt, lohnt sich die Suche nach einer feinen, grünen Note nach Paprika oder schwarzem Pfeffer. Verschwindet sie fast ganz, war die Traube bei der Lese wirklich reif.
Im Mund wirkt ein guter Wein aus dem Tal erst rund und weich, dann kommt das Tannin: griffig, aber selten hart, weil die warme Reifezeit Kerne und Schalen weich werden lässt. Der Körper ist voll. Das merkst du sofort. Vierzehn Prozent Alkohol oder mehr sind keine Seltenheit, was dem Wein Gewicht und Wärme im Abgang gibt.
Am Ende bleibt der Geschmack lange stehen, oft eine halbe Minute oder länger bei den dichtesten Weinen aus Apalta. Das ist kein Zufall. Genau daran erkennt man die Herkunft. Kleine Beeren bringen mehr Tannin und Farbstoff pro Schluck als größere, wasserreichere Trauben aus dem flachen Talgrund, egal wie sorgfältig im Keller gearbeitet wurde.