
Anden treffen Pazifik
Klima
Achtundzwanzig Grad tagsüber, zwölf in der Nacht: So sieht ein Sommertag in Colchagua im Schnitt aus. Dieser Unterschied ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von zwei Bergketten, die das Tal wie eine Zange einschließen, den Anden im Osten und der niedrigeren Küstenkordillere im Westen.
Regen fällt fast nur zwischen Mai und August, rund sechshundert Millimeter im Jahr. Der Rest des Jahres bleibt weitgehend trocken. Von November bis April sieht man kaum eine Wolke. Pilzkrankheiten haben so kaum eine Chance, und die Winzer bestimmen die Lesezeit fast allein über die Reife der Trauben, nicht über das Wetter.
Nicht überall im Tal ist die Hitze gleich verteilt. Weil die Küstenkordillere bei Colchagua vergleichsweise niedrig ist, dringt kühle Luft vom Pazifik über das Flussbett des Tinguiririca weit ins Landesinnere vor, bis nach Marchigüe und Lolol. Diese Gegend gehört zur Provinz Cardenal Caro. Dort bleibt es spürbar kühler. Genau dort wachsen deshalb auch die wenigen weißen Sorten des Tals, vor allem Chardonnay. Weiter östlich, um Apalta und San Fernando, sorgt die Nähe zu den Anden für mehr Hitze.
Diese tägliche Schwankung zwischen Hitze und Kühle hält die Säure in den Beeren fest, während die Schale am warmen Nachmittag weiter Farbe und Tannin aufbaut. Ein Wein aus Colchagua bekommt dadurch selten die schwere, müde Säure mancher heißer Weinbauländer. Für Winzer im Tal ist genau dieses Wechselspiel der wichtigste Klimafaktor überhaupt.