Herstellung in der Region Maipo

Warten auf Reife

Herstellung

Im Maipotal beginnt die Ernte im Südhalbkugel-Herbst, meist im März, und zieht sich bis in den Mai. Cabernet Sauvignon und Merlot kommen zuerst von den Reben, oft schon im März oder April. Carmenère wartet am längsten. Sie hängt bis Ende April, manchmal bis in den Mai hinein, weil ihr grüner Paprikaton erst mit später Reife verschwindet. Wer zu früh liest, presst diesen Fehler direkt mit ins Fass.

Nach der Lese werden die Trauben entrappt und angequetscht. Die Schalen bleiben während der Gärung im Tank. Aus ihnen kommen Farbe und Tannin. Viele Kellermeister lassen den Most danach noch Wochen auf der Maische stehen, eine sogenannte verlängerte Mazeration. Das rundet harte Tannine ab und vertieft die Farbe, verlangt aber Fingerspitzengefühl: Zu lange, und der Wein wird bitter statt kraftvoll.

Anschließend reift der Wein meist in kleinen Fässern aus französischer Eiche, oft neu oder fast neu. Almaviva etwa lässt seinen Verschnitt aus Cabernet Sauvignon, Carmenère, Cabernet Franc und Petit Verdot rund zwanzig Monate in Barriques liegen, von denen ein großer Teil neu ist. Das Holz gibt Röstaromen und Vanille ab, aber auch feines, weiches Tannin, das die kräftige Struktur der Trauben abrundet, ohne die dunkle Frucht zu verdecken.

Viele der besten Weine des Tals sind bewusste Verschnitte. Reiner Cabernet Sauvignon kann streng und kantig wirken, reiner Carmenère weich, aber flach. Zusammen ergänzen sie sich: Der eine liefert Struktur, Säure und die kühle Kräuternote, der andere Fülle, dunkle Frucht und einen Hauch schwarzen Pfeffer. Dieser Stil, in den Neunzigerjahren neu entdeckt, gilt heute als typisch chilenisch, entstanden ausgerechnet aus einer Verwechslung, die ein Jahrhundert unbemerkt blieb.

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