
Schatten der Anden
Klima
Das Maipotal liegt in einer Klimafalle, die ihm ausgesprochen guttut. Die Küstenkordillere im Westen hält die feuchte Meeresluft vom Pazifik ab, im Osten wirft die Hauptkordillere der Anden einen ebenso trockenen Schatten. Dazwischen herrscht mediterranes Klima mit langen, heißen Sommern und milden, regenreichen Wintern. Im Jahresschnitt fallen um Puente Alto und Isla de Maipo nur rund dreihundert Millimeter Regen, fast ausschließlich zwischen Mai und August.
Dass hier trotzdem Reben wachsen, verdankt das Tal einem Fluss und einem alten Bauwerk. Der Río Maipo trägt Schmelzwasser aus den Anden ins Tal, und ab 1820 trieb Domingo Eyzaguirre den Bau des Canal San Carlos voran, eines Kanalsystems, das ab 1829 dieses Wasser auf die trockenen Ebenen südlich von Santiago verteilte. Ohne künstliche Bewässerung wäre aus dieser Landschaft kaum mehr als Steppe geworden. Mit ihr wurde sie zu einem der zuverlässigsten Weinbaugebiete Südamerikas.
Tagsüber klettert das Thermometer im Hochsommer leicht über dreißig Grad; in Isla de Maipo wurden im Januar schon über dreißig Grad gemessen. Nachts strömt kalte Luft von den Anden ins Tal. Der Unterschied zwischen Tag und Nacht erreicht in der Reifezeit oft fünfzehn bis zwanzig Grad. Diese Schwankung bremst nachts den Abbau der Säure, während tagsüber Zucker und Farbe in den Beeren wachsen. Ohne sie schmeckten die Weine flach und müde.
Innerhalb des Tals macht die Höhe den entscheidenden Unterschied. Alto Maipo liegt zwischen fünfhundert und rund tausend Metern an den Vorbergen der Anden, kühler und mit ärmeren Böden als der Rest. Es liefert die strukturiertesten Cabernets im ganzen Tal. Weiter westlich, im flacheren Maipo Medio um Buin, scheint mehr Sonne, und die Weine werden runder und fruchtiger. Nahe der Küste, im sogenannten Maipo Costa, sorgen kühle Winde vom Pazifik für Frische, die dort inzwischen auch weiße Sorten trägt.