
Porphyr & Schiefer
Böden
Grab an der mittleren Nahe irgendwo ein Loch, und du triffst auf etwas anderes als dein Nachbar hundert Meter weiter. Über 180 verschiedene Bodentypen wurden allein zwischen Bingen und Kirn kartiert, mehr als in jedem anderen deutschen Weinanbaugebiet auf vergleichbarer Fläche. Das liegt an einem Vulkan. Er war vor rund 270 Millionen Jahren aktiv, und seine Reste prägen bis heute die Landschaft.
Sein sichtbarstes Erbe ist der Rotenfels bei Bad Münster am Stein-Ebernburg, eine mehr als 200 Meter hohe Wand aus rötlichem Rhyolith, auch Quarzporphyr genannt, die höchste Felswand nördlich der Alpen. Sie besteht aus erstarrter Lava, die einst zähflüssig aus der Erde quoll. Beim Abkühlen bekam sie ihre harte, splittrige Struktur. Unter ihr, am Fuß des Hangs, wachsen einige der wärmeliebendsten Rieslinge der Region.
Wenige Kilometer weiter, bei Schlossböckelheim, liegt die Kupfergrube. Sie ist benannt nach dem Kupferbergwerk, das hier bis 1901 in Betrieb war. Unter einer dünnen Humusschicht folgt verwittertes Melaphyr, ein dunkles vulkanisches Gestein, überlagert von einer Schicht aus kohligem Schiefer. Die Rebwurzel muss sich durch beide hindurcharbeiten, findet kaum Nährstoffe und dafür viel Wärme, die das dunkle Gestein tagsüber speichert und nachts wieder abgibt.
Ganz anders sieht es weiter flussabwärts aus. Zwischen Bad Kreuznach und der Mündung bei Bingen liegen Löss, Lehm und verwitterter Sandstein über älterem Quarz und Schiefer. Diese weicheren Böden halten mehr Wasser und ergeben rundere, weniger kantige Weine. Wer an einem Tag von Schlossböckelheim nach Bingen fährt, durchquert geologisch mehr Zeitalter als auf mancher Bahnfahrt quer durchs Land.
Ein Missverständnis hält sich hartnäckig. Das liegt an der rauchigen Note, die viele in Weinen von der Kupfergrube schmecken wollen. Der Boden selbst schmeckt nicht mit, dafür sind die Mengen an gelösten Mineralien im Saft viel zu winzig. Was wirklich wirkt, sind Wärmespeicherung, Wasserhaushalt und wie tief die Wurzel graben muss — der Umweg über das Gestein, nicht das Gestein selbst.
Dünne dunkle Auflage aus Laub- und Wurzelresten, auf dem steilen Terrassenhang der Kupfergrube nur eine Handbreit dick.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln und nehmen auf, was der seltene Regen gerade bringt.