
Kloster & Kupfergrube
Region & Geschichte
Die Römer brachten den Weinbau an die Nahe. Das war vor etwa zweitausend Jahren. Die erste schriftliche Spur ist trotzdem viel jünger: eine Urkunde des Klosters Lorsch aus dem Jahr 766, die den Ort Norheim im Zusammenhang mit Weinbergen nennt. Vierhundert Jahre später kam ein zweites Kloster dazu, hoch über dem Zusammenfluss von Glan und Nahe. 1112 nahm die Gemeinschaft auf dem Disibodenberg drei junge Frauen in eine Klause auf, darunter die vierzehnjährige Hildegard von Bingen. Sie blieb gut fünfunddreißig Jahre und begann dort ihre ersten Visionen aufzuschreiben.
Um 1500 verließ der erste nennenswerte Exportwein die Region: der Monziger Feuerwein aus Monzingen, verladen am Binger Kran auf Schiffe Richtung Rhein. Aus derselben Zeit stammen die vermutlich ältesten noch tragenden Rebstöcke Deutschlands, zufällig entdeckt an einem Steilhang bei Odernheim am Glan. Kein Mensch hatte sie vermisst. Ein Test ergab die seltene Sorte Weißer Orléans, geschätzt mehrere hundert Jahre alt.
Politisch wurde es 1520 auf der Ebernburg bei Bad Münster am Stein noch einmal spannend. Der Ritter Franz von Sickingen öffnete seine Burg für frühe Anhänger Martin Luthers, unter ihnen der Humanist Ulrich von Hutten, der sie die Herberge der Gerechtigkeit nannte. Sickingen bot sogar Luther Zuflucht an, auf dem Weg zum Reichstag nach Worms 1521. Luther ging trotzdem zur Wartburg, doch der Name blieb an der Burg über der Nahe hängen.
Der nächste Umbruch kam mit Bergbau statt mit Politik: Bis 1901 wurde bei Schlossböckelheim Kupfer geschürft. Dann übernahm die neu gegründete Preußische Weinbaudomäne Niederhausen-Schlossböckelheim das Gelände und verwandelte es in mühsamer Handarbeit in Terrassen. 1921 lohnte sich die Arbeit. Die Kupfergrube lieferte eine Trockenbeerenauslese mit 308 Grad Oechsle, mehr als doppelt so viel wie für die höchste Prädikatsstufe nötig ist. Die Lage war über Nacht berühmt.
Trotzdem verkaufte man Nahewein noch fünfzig Jahre lang unter fremdem Namen, offiziell als Rheinwein. Erst das Weingesetz von 1971 machte die Nahe zu einem eigenständigen Anbaugebiet. Seither zieht sich der Aufstieg von Weingütern wie Dönnhoff aus Oberhausen an der Nahe durch die Fachpresse. Aus der einstigen Fußnote wurde eine der am dichtesten mit Spitzenlagen besetzten Weinregionen Deutschlands.