
Windschatten des Pfälzerwalds
Klima
Im März blühen in Gimmeldingen die Mandelbäume. Das geschieht mitten in Deutschland, Wochen vor allen anderen Obstbäumen ringsum. Das ist kein Zufall und keine Züchtung, sondern eine direkte Folge der Lage. Der Pfälzerwald im Westen fängt Regenwolken und kalte Luft ab, bevor sie die Weinberge am Haardtrand erreichen. Er wirkt dabei ähnlich wie ein Dach, das einen Balkon trocken hält.
Der Effekt lässt sich in Zahlen fassen. Während viele deutsche Anbaugebiete acht- bis neunhundert Millimeter Niederschlag im Jahr abbekommen, sind es an der Deutschen Weinstraße oft nur um die fünfhundert, streckenweise sogar weniger. Dazu kommen bis zu 1.800 Sonnenstunden im Jahr, ein Wert, den sonst nur wenige deutsche Regionen erreichen, mit spürbaren Folgen für alles, was hier sonst noch wächst: Feigen, Kiwis, sogar vereinzelt Zitronen im Freiland.
Das Jahresmittel liegt bei etwa elf Grad, mit milden Wintern und Sommern, die regelmäßig über dreißig Grad steigen. Die Pfalz zählt damit zu den wärmsten Weinbaugebieten Deutschlands. Für Riesling bedeutet das eine lange Reifezeit ohne die Sorge, dass der Herbst zu früh kommt. Anders als an der Mosel, wo jeder sonnige Tag zählt, kann ein Pfälzer Winzer die Lese notfalls um Wochen verschieben.
Am Haardtrand selbst entsteht noch ein zweiter, kleinerer Effekt. Fallwinde streichen über den Pfälzerwald und trocknen die Reben nach Regen schneller ab als im offenen Rheintal, was Pilzkrankheiten seltener macht. Die Dörfer entlang der Deutschen Weinstraße, von Bockenheim bis Schweigen, liegen fast alle in diesem schmalen, geschützten Streifen zwischen Wald und Ebene.
Der Klimawandel verschiebt die Verhältnisse weiter. Wo Winzer früher im Oktober lasen, beginnt die Ernte heute oft schon Ende August. In besonders heißen Jahren sinkt die Säure schneller, als manchem Betrieb lieb ist. Manche Güter pflanzen deshalb wieder in höheren, kühleren Lagen des Pfälzerwalds, ein Gedanke, der vor dreißig Jahren niemandem eingefallen wäre.