
Gipskeuper & Muschelkalk
Böden
Grab in einem Weinberg des Zabergäus ein Loch. Nach einer Handbreit ist die dunkle Humusschicht durch: Darunter kommt heller, feinkörniger Sandstein zum Vorschein, der beim Reiben zwischen den Fingern fast zu Sand zerfällt, benannt nach schilfähnlichen Pflanzenabdrücken, die vor rund 225 Millionen Jahren in seinem Sand eingeschlossen wurden. Das ist Schilfsandstein.
Er lässt Wasser und Wurzeln gut durch. Im Frühjahr wärmt er sich rasch auf und gibt diese Wärme an die Rebe weiter. Deshalb stehen auf ihm viele der würzigen, kräftigen Lemberger- und Rieslinglagen rund um Stuttgart und das Remstal, auch wenn die lockere Schicht im heißen August schnell austrocknet und die Wurzel dann tiefer suchen muss.
Tiefer wartet Gipskeuper: ein rötlich-grauer Mergel, durchzogen von feinen weißen Adern aus Gips, dicht und fest gepackt. Er hält Wasser zurück wie ein Schwamm mit Deckel, während der Sandstein darüber alles durchlässt. Reben, die bis hierhin vordringen, finden auch im trockensten Sommer noch Feuchtigkeit. Diese ständige, aber knappe Versorgung zwingt sie zu kleinen, konzentrierten Beeren.
Im Weinsberger Tal und im Stromberg-Heuchelberg-Gebiet, dem Kernland des Lemberger, liegt dieser Gipskeuper besonders nah unter der Oberfläche. Die Weine von dort gelten als die würzigsten und dichtesten der Sorte. Ihre Struktur ist fest, manchmal fast salzig im Abgang. Ein Lemberger vom lockeren Schilfsandstein wirkt dagegen oft runder und zugänglicher, mit mehr Frucht und weniger Ecken.
An den Neckarterrassen bei Hessigheim und Mundelsheim kommt noch ein dritter Baustein dazu: verwitterter Muschelkalk. Seine Bruchsteine wurden seit dem Mittelalter zu Trockenmauern aufgeschichtet, um die steilen Hänge überhaupt bepflanzbar zu machen. Der helle Kalk speichert kaum Wasser, dafür umso mehr Wärme. Rieslinge von dort schmecken oft straffer und mineralischer als jene vom weicheren Keuper ein paar Kilometer weiter.
Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub und organischem Material. Trocknet in einem heißen Sommer als Erstes aus.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die nach jedem Regen sofort nachziehen — und als Erste wieder durstig sind.