
Perlage und Säure
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Halte ein Glas Kit's Coty oder eines anderen Kentish Sparkling gegen das Licht. Die Farbe reicht von blassem Strohgelb bis zu einem zarten Gold. Feine Perlenketten steigen dabei ununterbrochen vom Glasboden nach oben, und je feiner diese Bläschen sind, desto länger lag der Wein zuvor auf der Hefe. Grobe, schnell verschwindende Blasen verraten dagegen meist eine junge, kurz gereifte Cuvée. Fachleute nennen die Textur dieses Schaums im Mund die Mousse.
Rieche zuerst, ohne zu schwenken. Oben schwebt fast immer grüner Apfel, manchmal Zitrone, dazu eine leicht salzige Meeresnote, die Kenner der Nähe zur Küste zuschreiben. Schwenkt man das Glas, kommt eine zweite Ebene hinzu: Brioche, geröstetes Brot, manchmal ein Hauch Haselnuss. Diese Röstnoten stammen nicht von Holzfässern, sondern allein von der langen Reifung auf der toten Hefe, und genau daran erkennt man auf Anhieb einen ernsthaften Kentish Sparkling, ganz gleich aus welchem Weinberg der Grafschaft er stammt.
Im Mund fällt zuerst die Säure auf. Sie ist bei englischem Sekt höher als fast überall sonst. Das ist ein direktes Erbe des kühlen, oft bewölkten Sommers, den Kent noch immer hat, auch wenn er heute wärmer ausfällt als vor fünfzig Jahren. Diese Säure trägt den Wein, hält ihn frisch und macht ihn erstaunlich lange haltbar, selbst über ein Jahrzehnt hinweg. Ohne sie würde ein Kentish Sparkling einfach nur süßlich schmecken.
Beim stillen Bacchus verschiebt sich das Bild. Holunderblüte und Stachelbeere dominieren die Nase. Im Mund kommt eine ähnlich lebendige Säure dazu, nur eben ohne die Perlage. Am Ende zählt bei beiden Weinen dasselbe: wie lange der Geschmack bleibt, nachdem man geschluckt hat. Bei einem sorgfältig gereiften Kentish Sparkling sind das gut und gerne zehn, fünfzehn Sekunden, und genau das unterscheidet ihn von einem einfachen Supermarkt-Prosecco.