
51 Grad Nord
Klima
Sussex liegt bei 51 Grad nördlicher Breite, gut ein bis zwei Grad nördlicher als die Champagne auf etwa 49,5 Grad. Das klingt nach wenig, bedeutet aber einen spürbar kürzeren, kühleren Sommer. Trauben brauchen hier länger, um reif zu werden. Genau diese Langsamkeit hält die Säure fest, die ein guter Schaumwein braucht.
Nachtfrost im Frühjahr bleibt die größte Gefahr. Im April 2017 fielen die Temperaturen im Südosten Englands drei Nächte hintereinander auf bis zu minus sechs Grad. Diesen Wert hatte man zuvor zwanzig Jahre nicht gesehen. Manche Betriebe verloren damals weit über die Hälfte ihrer Ernte. Andere zündeten die ganze Nacht Kerzen zwischen den Rebzeilen, um die junge Blüte vor dem Erfrieren zu retten.
Seit Nyetimber 1988 auf steigende Temperaturen wettete, hat sich das Klima tatsächlich verändert. Was damals wie ein Wagnis wirkte, liest sich heute wie eine frühe, richtige Prognose. Die Reben reifen inzwischen zuverlässiger aus, ohne dass Sussex dabei zu warm für die feine, säurebetonte Basis der Flaschengärung geworden wäre.
Der Ärmelkanal wirkt dabei wie ein Puffer. Rathfinny liegt keine drei Meilen von der Küste entfernt, und die milde Seeluft dämpft genau die Fröste ab, die weiter im Landesinneren regelmäßig deutlich härter zuschlagen. Die South Downs schirmen die Weinberge zusätzlich vor kalten Nordwinden ab und stauen auf ihren sonnigen Südhängen Wärme, die den Reben in kühlen Nächten zugutekommt.
Regen ist in Sussex seltener ein Problem, als man von England erwarten würde. Die Downs werfen einen leichten Regenschatten, unter dem viele Weinberge liegen, und der Herbst bringt meist genug trockene Tage für eine ruhige Lese im Oktober. Trotzdem bleibt jeder Jahrgang hier ein eigenes Wagnis: Zwischen einem großzügigen und einem mageren Jahr liegen in Sussex oft größere Unterschiede als in der Champagne.