Region & Geschichte in der Region Beaujolais

Gamay im Exil

Region & Geschichte

Am 31. Juli 1395 unterschrieb Philipp der Kühne, Herzog von Burgund, ein Verbot, das eine ganze Rebsorte aus seinem Herzogtum verbannte. Er nannte den Gamay eine „sehr schlechte und sehr untreue Pflanze“ und ließ ihn roden, wo immer er stand. Der Wein daraus mache Menschen krank, hieß es im Erlass — ein Vorwurf, der heute nach Ausrede klingt. Eigentlich ging es um etwas anderes: Gamay trug viel mehr Ertrag als der zarte Pinot Noir, den der Herzog liebte.

Wer vertrieben wird, sucht sich einen neuen Platz, und Gamay fand ihn wenige Kilometer südlich, auf dem Granit unterhalb von Mâcon. Dort begann die Geschichte des Beaujolais als eigene Weinlandschaft. Ihren Namen verdankt sie den Sires de Beaujeu, einem Herrengeschlecht vom gleichnamigen Hügelstädtchen, das im 16. Jahrhundert seinen Rang als Hauptort an Villefranche-sur-Saône verlor — direkt am Fluss gelegen und damit näher an Lyon und an dessen Käufern.

Lyon war der Grund, warum das Beaujolais überhaupt wuchs. Die Saône trug die Fässer flussabwärts in eine Stadt, die schon damals aß und trank wie kaum eine andere. Der Publizist Léon Daudet brachte es später auf einen Satz. Lyon werde von drei großen Flüssen durchströmt, schrieb er: dem Rhône, der Saône — und dem Beaujolais. Kein Fluss im geografischen Sinn, aber ein Strom, der nie versiegte.

Amtlich wurde all das erst spät. Die Herkunftsbezeichnung Beaujolais entstand per Dekret am 12. September 1937, die zehn Crus kamen zwischen 1936 und 1988 einzeln dazu, zuletzt Régnié. Dazwischen liegt das Ereignis, das die Region weltberühmt machte. 1951 erstritten die Winzer eine Ausnahme vom Gesetz, das den Verkauf neuer Weine bis zum 15. Dezember verbot. Fast nebenbei schufen sie damit den Beaujolais Nouveau, dessen Starttermin ab 1985 feststand: immer der dritte Donnerstag im November.

Ein Mann aus Romanèche-Thorins machte daraus ein Welt-Ereignis. Georges Duboeuf, bald „König des Beaujolais“ genannt, flog in den Siebzigern mit den ersten Kisten nach New York und feierte dort ein Fest, das binnen zehn Jahren auch Tokio und Sydney erreichte. Der Erfolg wurde der Region fast zum Verhängnis. Als die Nachfrage nach 1999 einbrach, halbierten sich Umsatz und Menge binnen zehn Jahren, gut ein Zehntel der Rebfläche wurde gerodet, und viele Winzer gaben auf. Wer heute Beaujolais trinkt, trinkt meist das, was von dieser Krise übrig blieb: kleinere Betriebe, die auf die zehn Crus setzen statt auf das schnelle Fest im November.

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