
Gamay, kaum Konkurrenz
Rebsorten
Eine einzige Rebsorte trägt fast das ganze Beaujolais: Gamay. Vollständig heißt sie Gamay Noir à Jus Blanc. Schwarze Schale, aber ein Saft, der farblos bleibt, wie bei fast allen roten Trauben — genau das macht sie zur idealen Kandidatin für ein Verfahren, das die ganze Region prägt und in der Station Herstellung noch genauer erklärt wird. Ihre Schale ist dünn. Sie treibt früh aus und reift ebenso früh. Ein Vorteil im kühlen Norden, ein Risiko bei jedem Spätfrost.
1999 klärte ein DNA-Test eine alte Verwandtschaft. Carole Meredith und John Bowers von der University of California in Davis zeigten: Gamay stammt aus einer Kreuzung von Pinot Noir und einer fast vergessenen Sorte namens Gouais Blanc, aus der auch Chardonnay, Aligoté und Melon de Bourgogne hervorgingen. Gamay und Chardonnay sind damit, genetisch gesehen, Halbgeschwister. Wer im Beaujolais einen weißen Chardonnay neben einem roten Gamay verkostet, trinkt zwei Kinder derselben Familie.
Ganz allein steht Gamay trotzdem nicht. Das Pflichtenheft der Appellation erlaubt Chardonnay, Aligoté, Melon, Pinot Gris und sogar etwas Pinot Noir als Beimischung, zusammen aber höchstens fünfzehn Prozent einer Parzelle, und nur, wenn die Reben schon vorher dort standen. Dazu kommen zwei seltene Verwandte mit rotem statt weißem Saft. Gamay de Bouze und Gamay de Chaudenay. Ihr Anteil ist sogar auf zehn Prozent gedeckelt. Für Weißwein gilt eine strengere Regel: reiner Chardonnay, sonst nichts.
Was diese eine Sorte so besonders macht, zeigt sich erst im Vergleich der zehn Crus. Auf dem Granit von Moulin-à-Vent wird aus demselben Gamay ein strenger, langsam reifender Wein. In Chiroubles dagegen, höher gelegen und kühler, bleibt er leicht und duftig. Keine andere französische Region lässt eine einzelne Rebsorte auf so wenig Fläche so viele Charaktere zeigen, und genau deshalb lohnt es sich, die Crus einzeln zu lernen, statt Beaujolais als eine einzige Antwort zu behandeln.