
Kühle vom Fluss
Klima
Das Beaujolais liegt an einer Wetterscheide. Von Westen kommt die Feuchte des Atlantiks. Von Süden kommt die Wärme des Mittelmeers, und beides trifft auf ein kontinentales Grundklima mit kalten Wintern und heißen Sommern. Die Saône dazwischen wirkt wie ein Puffer. Sie mildert die schärfsten Ausschläge und schickt an klaren Morgen einen Nebel in die Talsohle, der erst gegen Mittag verschwindet.
Genau dieser Nebel entscheidet, wo guter Gamay wächst. Wer im Tal steht, verliert am Morgen wertvolle Sonnenstunden. Wer dagegen an einem Osthang steht, hoch genug, um über der Nebeldecke zu liegen, bekommt schon ab acht Uhr Licht und Wärme — deshalb zeigen fast alle zehn Crus, von Fleurie bis Morgon, nach Osten oder Südosten und nicht nach Süden, wie man erwarten würde.
Mit rund 1.900 Sonnenstunden im Jahr gehört die Gegend um Mâcon zu den helleren Ecken Ostfrankreichs, bei einem Jahresniederschlag von etwa 830 Millimetern, der sich einigermaßen gleichmäßig über die Saison verteilt. Trocken genug für gesunde Trauben, feucht genug, dass die dünnschalige Gamay nicht vertrocknet. Diese Balance ist enger, als sie klingt, und sie kippt in heißen Jahrgängen schnell in die falsche Richtung.
Granit verstärkt den Effekt der Höhe noch. Er speichert Tageswärme schlechter als Kalkstein. Dafür gibt er sie auch schneller wieder ab, sodass die Nächte in den Crus spürbar kühler ausfallen als im flacheren Süden. Diese Differenz hält die Säure in der Beere fest. Säure ist bei einer so leichten Sorte wie Gamay das Rückgrat, ohne das der Wein zerfließt.
Geerntet wird deshalb von Hand. Keine Maschine darf hier durch die Reihen. Das Pflichtenheft verlangt ganze, unversehrte Trauben, weil sie für die Gärung im geschlossenen Tank unbeschädigt bleiben müssen, dazu später mehr. Im September ziehen also noch immer Erntehelfer durch die Hänge, so wie es das Klima seit jeher verlangt, nur dass der Termin sich in heißen Jahren inzwischen um zwei, drei Wochen nach vorn verschoben hat.