Böden in der Region Bordeaux

Kies & Kalkmergel

Böden

Grab in einem Weinberg des Médoc ein Loch, tief genug, dass ein Erwachsener bis zum Knie darin verschwindet. Fast überall stößt du auf dasselbe: runde, hell schimmernde Kiesel, mal faustgroß, mal fingernagelklein. Das ist Graves, französisch für Kies, und der Name gab einer ganzen Unterregion südlich der Stadt ihren Namen.

Dieser Kies ist Reisegepäck aus der Eiszeit. Vor mehreren Millionen Jahren trug die Garonne Geröll aus den Pyrenäen und dem Zentralmassiv talabwärts und lagerte es in Terrassen ab, immer wieder, mit jeder neuen Schmelzperiode eine Schicht höher. Quarz, Feuerstein, glattgeschliffener Kalkstein. Millionen Jahre Transportarbeit liegen unter jedem Weinstock im Médoc.

Wasser läuft durch diesen Kies fast ungebremst hindurch. Die Rebe muss ihm hinterher, tief, manchmal über sechs Meter, bis sie auf feuchteren Untergrund trifft. Genau dieser Stress erzeugt kleine, dickschalige Beeren mit viel Farbe und Tannin — die Grundlage für den kräftigen, langlebigen Cabernet Sauvignon, für den das linke Ufer der Gironde berühmt ist.

Auf dem rechten Ufer der Dordogne sieht es unter der Erde völlig anders aus. Rund um Saint-Émilion liegt ein Kalksteinplateau, gebildet aus den Schalen fossiler Meerestiere, mit dünnem, kargem Boden obenauf. Wenige Kilometer weiter, in Pomerol, wechselt der Untergrund noch einmal. Dort liegt streckenweise ein seltener blaugrauer Ton, crasse de fer genannt, der Wasser wie ein Schwamm speichert und ihn in trockenen Jahren nach und nach wieder abgibt.

Zwei völlig verschiedene Böden also, wenige Flusskilometer auseinander, und deshalb wachsen hier auch zwei verschiedene Trauben. Der durstige Kies des linken Ufers passt zum spätreifenden Cabernet Sauvignon. Der wasserspeichernde Ton und Kalk des rechten Ufers zum früher reifenden, empfindlicheren Merlot. Kein Winzer hat sich das ausgedacht. Der Boden hat die Sorte ausgesucht, nicht umgekehrt.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage aus Laub- und Wurzelresten, auf den kiesigen Böden des Médoc oft kaum eine Handbreit dick.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln und nehmen auf, was der atlantische Regen gerade bringt.

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