
Atlantik & Ästuar
Klima
Bordeaux liegt keine hundert Kilometer vom Atlantik entfernt, und das prägt hier fast alles. Ein gemäßigtes Seeklima hält die Winter mild, um die siebeneinhalb Grad im Januar, und die Sommer warm, ohne heiß zu werden. Im Juli und August liegt der Durchschnitt bei rund zweiundzwanzig Grad. Extreme sind selten.
Zwei Flüsse mildern das Klima der Region zusätzlich, indem Garonne und Dordogne bei Bordeaux zur Gironde zusammenfließen, dem größten Ästuar Westeuropas, dessen riesige Wasserfläche tagsüber Wärme speichert und sie nachts wieder an die Ufer abgibt. Das schützt viele Weinberge dort vor Frühjahrsfrost. Nicht immer aber: Im Februar 1956 reichte die Kälte trotzdem, um eine ganze Rebsorte fast auszulöschen.
Nach Westen hin schirmt der Forêt des Landes, einer der größten Kiefernwälder Europas, die schärfsten Winde vom offenen Atlantik ab. Ohne ihn wären die Herbststürme hier ein ständiges Risiko für die reifenden Trauben. Mit rund neunhundert Millimetern Regen im Jahr, verteilt vor allem auf Winter und Herbst, bleibt Bordeaux insgesamt feucht. Feuchter als die meisten anderen großen Rotweinregionen Frankreichs.
Genau diese Feuchtigkeit macht jeden Jahrgang zu einem eigenen Wesen. Regnet es kurz vor der Lese, verdünnt sich der Zucker in den Beeren. Fäulnis breitet sich aus, bevor irgendjemand überhaupt ernten kann. Bleibt es dagegen trocken und mild bis in den Oktober, reifen Merlot und Cabernet Sauvignon gleichmäßig durch. Deshalb gilt in Bordeaux traditionell ein einfacher Satz: Der Jahrgang zählt mehr als anderswo.
Innerhalb der Region gibt es trotzdem spürbare Unterschiede. Das linke Ufer der Gironde, wo der Kies liegt, speichert tagsüber Sonnenwärme und gibt sie nachts an die Reben zurück. Ein kleiner, aber für den spätreifenden Cabernet Sauvignon entscheidender Vorteil. Das rechte Ufer mit seinen Ton- und Kalkböden bleibt kühler und feuchter, was dem früher reifenden Merlot eher entgegenkommt.