
Mönche, Herzöge, Revolution
Region & Geschichte
Im Jahr 1098 gründete eine kleine Gruppe unzufriedener Mönche das Kloster Cîteaux, ein paar Kilometer südlich von Dijon. Ihr altes Kloster war ihnen zu bequem geworden, und aus der neuen, strengen Armut wurde schnell harte Feldarbeit: Die Zisterzienser rodeten, gruben und pflanzten sich durch die Hügel westlich der Saône. Sie schmeckten dabei jeden Hang einzeln ab. Parzellen, die nur wenige Schritte auseinanderlagen, aber unterschiedlich reiften, trennten sie fein säuberlich voneinander. Diese Gewohnheit, das Land in winzige Einheiten zu zerlegen, wurde später zum Grundprinzip des ganzen Burgunds.
1336 zogen die Mönche eine Mauer um ihr kostbarstes Grundstück, fünfzig Hektar am Fuß eines sanften Hangs. Sie nannten es Clos de Vougeot. Dahinter steckte kein Zufall. Wer wusste, wie unterschiedlich zwei benachbarte Parzellen schmecken konnten, wollte die beste für sich behalten und klar markieren, wo sie endet.
Sechzig Jahre später entschied ein Herzog, welche Rebe in seinem Land überhaupt noch wachsen durfte. Philipp der Kühne erließ 1395 ein Edikt gegen den Gamay, den er eine „sehr schlechte und sehr untreue Pflanze“ nannte. Die Sorte trug zwar reichlich, aber der Wein daraus schmeckte dünn und bitter. Fortan galt nur noch eine Rebe als würdig genug für die Hänge der Côte d'Or: der Pinot Noir. Im benachbarten Beaujolais blieb der Gamay dagegen erlaubt. So trennt dieses eine fürstliche Dekret die beiden Regionen bis heute, fast siebenhundert Jahre später.
Die Revolution zerschlug 1789, was Klöster wie Cîteaux über Jahrhunderte aufgebaut hatten. Kirchenbesitz wurde enteignet und in kleinen Losen versteigert, häufig an Bürger aus Dijon oder Beaune, die sich zum ersten Mal ein Stück der berühmten Hänge leisten konnten. Das französische Erbrecht tat den Rest. Wer stirbt, muss seinen Besitz zu gleichen Teilen unter allen Kindern aufteilen, und Weinberge lassen sich nicht wie Bargeld glatt zerschneiden. Aus dem einst geschlossenen Clos de Vougeot wurde so über sieben Generationen ein Flickwerk aus heute rund achtzig Besitzern.
Diese jahrhundertealte Kleinteiligkeit bekam 2015 einen Namen und einen Ehrentitel zugleich. Die Unesco nahm die Climats des Burgunds ins Weltkulturerbe auf. Gemeint sind mehr als 1.200 einzeln benannte Parzellen von Dijon bis Mâcon, jede mit eigenem Namen und eigener Geschichte. Kein anderes Weinbaugebiet der Welt teilt sein Land so fein auf und behauptet gleichzeitig so hartnäckig, dass jeder einzelne Flecken davon anders schmeckt.