
Chardonnay, Pinot, Meunier
Rebsorten
Drei Rebsorten tragen praktisch den gesamten Weinberg der Champagne. Keine davon liefert für sich schon den fertigen Wein. Immer ist es eine Mischung. Pinot Noir steht auf gut einem Drittel der Fläche und bringt Kraft und Struktur mit, dunkle Beerenfrucht, obwohl aus ihm fast immer weißer Saft gepresst wird. Chardonnay, die einzige weiße Sorte unter den dreien, liegt bei knapp einem Drittel. Sie liefert die Säure, die einen Champagner Jahrzehnte tragen kann. Der Rest ist Meunier: unauffällig, aber unentbehrlich.
Meunier treibt im Frühjahr später aus als seine beiden Geschwister. Das schützt ihn vor dem gefürchteten Spätfrost. Er kommt außerdem mit dem tonig-sandigen Boden der Vallée de la Marne besser zurecht als jede andere Sorte hier. Seinen Namen, Müller, verdankt er dem mehligen Flaum auf der Blattunterseite, den Winzer schon vor Jahrhunderten sahen, ohne die Botanik dahinter zu kennen. Im Wein bringt er Frucht und Rundheit, dazu Zugänglichkeit in der Jugend. Viele kleine Winzerbetriebe bauen deshalb bevorzugt Meunier an, während die großen Häuser eher auf Chardonnay und Pinot Noir setzen.
Wo eine Sorte am besten steht, verrät die Landkarte fast von selbst. Auf der Côte des Blancs, südlich von Épernay, wächst fast ausschließlich Chardonnay, denn dort liegt die reinste Kreide der ganzen Region. Auf der Montagne de Reims, dem bewaldeten Hügelzug nördlich davon, dominiert Pinot Noir. In der Vallée de la Marne, dem Flusstal dazwischen, ist es Meunier. Ein Champagner aus einer einzigen dieser drei Zonen schmeckt entsprechend anders als einer aus einer anderen, selbst wenn beide reinsortig aus derselben Traube stammen und im selben Jahr geerntet wurden.
Vier weitere Sorten sind erlaubt, aber praktisch verschwunden. Kaum jemand baut sie heute noch an. Pinot Blanc, Pinot Gris, Arbane und Petit Meslier bedecken zusammen weniger als drei Zehntel eines Prozents der Rebfläche. Arbane reift so spät und so unzuverlässig, dass sie fast ausgestorben wäre. Ein paar Winzer bauen sie trotzdem weiter an, weil ihr Wein eine Finesse hat, die keine der drei Hauptsorten liefert. Ende 2022 kam sogar eine achte Sorte dazu: Voltis, pilzwiderstandsfähig gezüchtet und als erste krankheitsresistente Rebsorte überhaupt in einer französischen Appellation zugelassen. Ein kleiner, aber sehr moderner Bruch mit einem Regelwerk, das sonst kaum etwas Neues zulässt.