Region & Geschichte in der Region Champagne

Hautvillers bis 1936

Region & Geschichte

Schon die Römer pflanzten Reben an den Hängen um Reims. Der Wein blieb trotzdem, was er war: still, sauer, kaum haltbar. Erst im Mittelalter übernahmen Klöster den Anbau in großem Stil, allen voran die Abtei Hautvillers. Dort arbeitete von 1668 bis 1715 ein Benediktinermönch als Kellermeister: Pierre Pérignon. Er wählte bessere Trauben aus, presste schneller und sortenrein, und er machte die Weine des Klosters tatsächlich besser.

Zum Erfinder wurde er trotzdem erst viel später gemacht. Die Geschichte, er habe als Erster die Kohlensäure entdeckt und gerufen, er trinke Sterne, taucht zuerst in einem Brief seines Nachfolgers Dom Grossard auf, geschrieben 1821, mehr als hundert Jahre nach Pérignons Tod. Ein früheres Dokument dafür gibt es nicht. Schäumender Wein war da ohnehin längst bekannt: Im südfranzösischen Limoux beschrieb man ihn schon 1531, hundertsechzig Jahre früher. Moët, die 1794 die Abtei kaufte, widersprach der Legende später wenig.

Was den Wein wirklich veränderte, kam als Verwaltungsakt. Bis 1728 durfte Champagner nur im Fass reisen. Im Fass aber gärt kein Wein ein zweites Mal. Ein königlicher Erlass im Mai jenes Jahres änderte das und erlaubte erstmals den Transport in Flaschen, verpackt zu je fünfzig oder hundert Stück im Korb. Erst in der geschlossenen Flasche konnte der Restzucker aus dem Frühjahr eine zweite Gärung auslösen und die Bläschen einschließen, die den Wein später berühmt machten.

Das Problem danach war der Trub, tote Hefe, die sich als trüber Bodensatz in der Flasche absetzte. Die Witwe Clicquot löste es 1816 zusammen mit ihrem Kellermeister Antoine Müller. Ihr Werkzeug war ein simples Möbelstück, das Rüttelpult, schräg gebohrt für den Flaschenhals. Wer die Flaschen Tag für Tag ein Stück weiterdrehte und steiler stellte, trieb die Hefe langsam zum Korken hinunter, bis sie sich mit einem einzigen Handgriff entfernen ließ. Jedes Champagnerhaus übernahm das Verfahren binnen weniger Jahre.

Dann kam die Reblaus. Ab 1890 fraß sie sich von der Aube aus durch fast den gesamten Weinberg, und die Zahl der Weinbaugemeinden schrumpfte um ein Drittel, bevor die Neupflanzung auf amerikanischen Unterlagsreben begann. Kaum erholt, stritten Winzer und Händler um die Grenzen der Champagne selbst. In der Nacht zum zwölften April 1911 brannten in Aÿ die Häuser der Négociants, und erst 1927 kam ein Gesetz, das die Aube wieder eingliederte. 1936 erhielt Champagne endlich seine eigene Appellation d'Origine Contrôlée. Fast achtzig Jahre später, 2015, erklärte die UNESCO die Hänge, Häuser und Keller der Champagne zum Weltkulturerbe.

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