Böden in der Region Elsass

Löss, Granit, Muschelkalk

Böden

Grab in einem elsässischen Weinberg ein Loch. Wandere zweihundert Meter den Hang hinauf und grab dort noch einmal, und es kann sein, dass du zweimal etwas völlig anderes triffst: Granit hier, Kalkmergel dort, dazwischen vielleicht noch ein Streifen Sandstein. So oft wechselt der Untergrund sonst nirgendwo in Frankreich.

Der Grund liegt tief in der Erdgeschichte. Vor rund fünfzig Millionen Jahren brach der Rheingraben ein, und mit ihm sackte ein riesiger Streifen Land zwischen Vogesen und Schwarzwald ab, ungleichmäßig, in einzelnen Schollen. Uraltes Grundgestein und viel jüngere Schichten, die eigentlich darüber gelegen hatten, kamen dabei nebeneinander an die Oberfläche. Das prägt bis heute jeden Hang.

Oben liegt Granit. Er ist das älteste Gestein der Gegend, dreihundert Millionen Jahre alt und stark verwittert, speichert kaum Wasser und zwingt die Wurzel deshalb in die Tiefe. Genau dort steht heute viel Riesling, auch auf dem Schlossberg bei Kientzheim, der 1975 als erster Grand Cru überhaupt anerkannt wurde.

Dann kommt Sandstein. Es ist der berühmte grès rose des Vosges, aus demselben rosafarbenen Stein wie das Straßburger Münster gebaut, und im Weinberg hält er Wasser besser als Granit und gibt es in trockenen Sommern langsam wieder ab. Eine ganz andere Aufgabe als oben am Hang.

Weiter unten folgen Kalkmergel und Muschelkalk. Diese schwereren Böden halten Feuchtigkeit über Wochen, und Gewürztraminer und Pinot Gris stehen hier besonders gern, denn der Boden gibt ihren Weinen eine Säure, die noch lange im Abgang nachwirkt. Ein ganz anderer Ton als vom Granit.

Ganz unten liegt Löss. Feiner, gelber Staub, meterdick an manchen Stellen, den der Wind während der Eiszeiten hier abgelegt hat, dort wo der Hang in die Rheinebene übergeht und fruchtbar wird. Weine von Löss schmecken weich und blumig, gut für Sylvaner und Muscat, aber kein Boden für einen Grand Cru.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne Schicht aus Löss und verwittertem Feinmaterial, die sich zwischen den Granitblöcken hält — kaum eine Handbreit tief.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln und holen sich, was der Regen gerade bringt. Im Hochsommer sind sie die ersten, die trockenfallen.

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