
Römer und Tulpenglas
Gläser
Ein Glas mit grünem Stiel. Das ist das Bild, das die meisten vom elsässischen Wein im Kopf haben, das sogenannte Römerglas, entstanden im sechzehnten Jahrhundert aus grün schimmerndem Waldglas, mit kleinen Noppen am Stiel, damit die Hand beim Trinken nicht abrutschte. Verbreitet war es am ganzen Rhein, von den Ausläufern der Vogesen bis nach Holland.
Für die Nase ist es ungeeignet. Die runde, bauchige Kuppe sammelt den Duft kaum, und wer heute Riesling oder Gewürztraminer ernsthaft verkosten will, greift zum international genormten INAO-Glas, schlank und tulpenförmig, seit 1970 offizieller französischer Standard. Man findet es inzwischen in jeder Vinothek zwischen Colmar und Riquewihr. Die enge Öffnung bündelt, was aufsteigt.
Bei Gewürztraminer zeigt sich, warum die Form so viel ausmacht. Sein Duft nach Rosenblättern und Litschi ist so kräftig, dass ein zu enges Glas ihn förmlich in die Nase presst und aufdringlich macht. Ein etwas weiterer Kelch gibt ihm Raum. Schon ein Fingerbreit mehr Durchmesser reicht, damit sich der Duft entfaltet, ohne zu erdrücken.
Riesling braucht das Gegenteil. Seine Säure und sein zurückhaltender Duft nach Zitrusfrucht und Stein gehen in einem zu weiten Glas unter, also bleibt hier die enge Tulpenform Pflicht. Serviert wird er kühl, acht bis zehn Grad. Gewürztraminer und Pinot Gris vertragen eher zehn bis zwölf, und schon zwei Grad mehr kippen die Aromen von blumig zu schwer.
Bei einer Vendange Tardive oder Sélection de Grains Nobles gilt eine eigene Regel: kleineres Glas, kleinere Menge. Diese Weine sind hochkonzentriert und meist deutlich süß, und für die Sélection de Grains Nobles schreibt das Gesetz einen Mindestzuckergehalt vor, der einem Alkoholpotential von über sechzehn Komma vier Prozent entspricht, bei Gewürztraminer und Pinot Gris sogar über achtzehn. Ein kleines Glas mit vier bis sechs Zentilitern reicht völlig.