
Riesling & Co.
Rebsorten
Das Elsass schreibt den Namen der Rebsorte aufs Etikett. Anderswo in Frankreich zählt die Lage, hier zählt die Traube, eine Gewohnheit aus den Jahrzehnten unter deutscher Verwaltung, die geblieben ist, obwohl die Grenze seit 1945 wieder französisch verläuft. Nur reinsortige Weine dürfen so heißen. Ein Verschnitt aus mehreren Sorten heißt Edelzwicker, oder, bei mindestens der Hälfte Riesling, Muscat, Pinot Gris und Gewürztraminer zusammen, Gentil.
Riesling steht an erster Stelle. Er belegt heute zweiundzwanzig Prozent der Rebfläche, fast doppelt so viel wie 1969, und verlangt die steilsten, magersten Hänge aus Granit oder Schiefer am Fuß der Vogesen. Seine Säure ist hoch. Sein Duft erinnert an Zitrone und Stein, und ein guter Riesling aus einem Grand Cru hält zwanzig Jahre und länger.
Ganz anders wirkt Gewürztraminer. Seine Säure ist niedrig, sein Duft dafür kaum zu übersehen: Rosenblätter, Litschi, manchmal Ingwer, in einer Intensität, die keine andere Sorte im Elsass erreicht. Früher hieß er schlicht Traminer. Das Gewürz im Namen kam erst später dazu, um genau diese Würze zu betonen, und zu kräftigem Münsterkäse ist er bis heute fast konkurrenzlos.
Pinot Gris trug bis 2007 den Zusatz Tokay. Der Name klang wie das ungarische Tokaji, und als Ungarn 2004 der EU beitrat, sicherte es sich diesen Namen für sich allein, binnen drei Jahren musste das Elsass ihn streichen. Der Wein blieb derselbe: voll im Körper, mit Noten von Rauch und Honig.
Einen Sonderfall bildet Muscat. Er riecht nach frischen Weintrauben, eindeutiger als jeder andere Wein, schmeckt aber knochentrocken, und wer nach dem ersten Zug Süße erwartet, wird jedes Mal überrascht. Meist steht er als Auftakt vor dem Essen im Glas, selten dazu.
Zwei Namen kennt kaum jemand außerhalb der Region. Klevener de Heiligenstein wächst nur in fünf Dörfern um Heiligenstein, seit ein Bürgermeister die Sorte 1742 aus dem Tirol mitbrachte, unter dem eigentlichen Namen Savagnin Rose. Und Pinot Noir, die einzige rote Sorte im Elsass, durfte erst seit der Ernte 2022 in zwei Grand Crus stehen, Hengst und Kirchberg de Barr.