
Muscat, der Widerspruch
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Stell die sieben Hauptsorten nebeneinander. Dazu probeweise ein Glas Klevener aus Heiligenstein, und schon siehst du den ersten Unterschied, bevor du überhaupt riechst. Ein junger Sylvaner oder Muscat ist hell wie Stroh, fast grünlich. Ein reifer Gewürztraminer dagegen wechselt ins satte Gold, manchmal so dunkel, dass Laien ihn für einen Rosé halten, obwohl keine rote Traube darin steckt.
Riech zweimal. Einmal im ruhigen Glas, einmal nach dem Schwenken, denn dazwischen liegt die halbe Information. Bei Riesling kommt zuerst Zitrusfrucht, dann Stein, und mit ein paar Jahren Flaschenreife oft eine Note, die an Benzin erinnert, für Kenner ein Qualitätszeichen, für alle anderen erst mal ein Schock.
Die größte Überraschung liefert Muscat. Er duftet so eindeutig nach frischen Weintrauben, dass jeder im Raum sofort rät, und dann liegt fast jeder falsch, denn im Mund ist er bockentrocken. Diesen Widerspruch gibt es bei keiner anderen Sorte im Elsass. Wer ihn einmal erlebt hat, vergisst ihn nicht mehr.
Im Mund geht es um Gewicht statt um Gerbstoff. Tannin spielt bei diesen Weißweinen praktisch keine Rolle, aber Riesling zeigt eine schlanke, fast schneidende Säure, während Pinot Gris eine ölige Fülle hat, die den ganzen Mundraum ausfüllt. Gewürztraminer liegt oft bei dreizehn, vierzehn Prozent Alkohol, in einem Kaefferkopf manchmal noch darüber. Spürbar warm, fast schon üppig für einen trockenen Weißwein.
Zum Schluss zähl den Abgang. Bei einem einfachen Sylvaner sind es wenige Sekunden, bei einem Riesling Grand Cru oft eine ganze Minute. Bei einer Vendange Tardive oder Sélection de Grains Nobles verändert sich der Geschmack sogar noch, während er im Mund verklingt, von Frucht zu Honig zu einer feinen, bitteren Note, die zum Weitertrinken einlädt.