
Wind statt Regen
Klima
Korsika nennt man oft ein Gebirge im Meer. Fürs Klima im Weinberg stimmt das fast wörtlich. Von den 2706 Metern des Monte Cinto bis zur Küste liegen manchmal nur zwanzig Kilometer Luftlinie. Das mediterrane Klima bringt der Insel bis zu 2885 Sonnenstunden im Jahr, in Ajaccio sind es im langjährigen Mittel 2726. Regen fällt vor allem im Winter; im September, dem Erntemonat, kommen dort im Mittel nur etwa 58 Millimeter zusammen.
Was das Wetter über den Sommer hinweg wirklich prägt, ist der Wind, und zwar gleich drei mit eigenen Namen, von denen der Maestrale aus Nordwesten die beiden anderen dominiert, den nördlichen Tramontane und den südwestlichen Libecciu. Sie trocknen die Trauben binnen Stunden nach jedem Regen und halten das Laub gesund. Das macht es überhaupt erst möglich, dass ein Drittel der korsischen Rebfläche biologisch bewirtschaftet wird, einer der höchsten Werte unter Frankreichs Weinregionen.
Küste und Hinterland ticken dabei unterschiedlich. Unten, selten über zweihundert Meter hoch, dringen Meeresbrisen und feuchte Herbstnebel ein, die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht bleiben klein. Nur wenige Kilometer weiter im Landesinneren steigen manche Weinberge auf vierhundert Meter und mehr. Dort kühlen die Nächte deutlich stärker ab. Sciaccarellu findet gerade in dieser Höhe seine beste Reife.
Um Patrimonio öffnet sich wiederum ein eigener Talkessel zum Meer. Man nennt ihn Conca d'Oro, die reiche Mulde. Ihre Hügel halten einen Teil des Windes ab, lassen ihn aber trotzdem über die Rebzeilen ziehen. Dieses Wechselspiel aus Schutz und Durchzug gilt vielen Winzern der Region als ihr eigentliches Kapital. Bewässern dürfen sie dort ohnehin nicht: In Patrimonio ist es grundsätzlich verboten, und selbst im offeneren Ajaccio nur erlaubt, wenn anhaltende Trockenheit die Reife der Trauben ernsthaft gefährdet.