Böden in der Region Korsika

Granit & Kalk

Böden

In einem Weinberg bei Ajaccio reicht ein Spatenstich, um binnen zwanzig Zentimetern auf hellen, körnigen Sand zu stoßen: verwitterten Granit, den man hier arène nennt. Fast zwei Drittel Korsikas bestehen aus genau diesem Gestein. Geologen sprechen von der kristallinen Korsika, einem alten Sockel, der den Westen und Süden der Insel trägt. Der Nordosten dagegen, mit dem Kap Corse, ist jünger und besteht aus Schiefer, der einst Meeresboden war, bevor er sich auffaltete.

Der Granitsand selbst ist mager. Er hält kaum Wasser, lässt es aber rasch durch. Was von der Verwitterung des Feldspats übrig bleibt, ist reich an Kieselsäure, Kali und manchmal Kalzium, arm dagegen an fast allem, was eine Pflanze zum schnellen Wachsen brauchen würde. Sciaccarellu liebt genau das. Seine Wurzeln arbeiten sich durch den lockeren Sand bis auf den festen Fels darunter und holen sich dort, tief unten, die letzte Feuchtigkeit eines trockenen Sommers. Die kleinen, konzentrierten Beeren, die dabei entstehen, erklären einen Teil seiner Kraft trotz heller Farbe.

Im Norden, in der Region, die auf Korsisch Nebbiu heißt, wörtlich Nebel, kehrt sich das Bild um. Dort öffnet sich die Mulde von Patrimonio. Statt Granit liegt hier ein mergeliger Kalkstein, argilo-calcaire, wie es im Amtsdeutsch der Appellation heißt, der nach Osten hin zunehmend schieferhaltig und steinig wird. Kalk speichert Wasser besser als Granitsand, gibt es aber auch langsamer wieder ab. Genau das mögen die Wurzeln von Niellucciu: gleichmäßiger versorgt, dafür strenger im Wuchs. Ein Weingut, das beide Böden besitzt, kann aus derselben Rebe zwei völlig verschiedene Weine keltern, ohne im Keller irgendetwas zu ändern.

Ganz im Osten, in der Ebene bei Aléria, liegt eine dritte Welt. Schwemmland und mergeliger Sand wurden von den Flüssen aus den Bergen herabgetragen, fruchtbar und flach. Dort wuchsen in den Sechzigerjahren die Massenreben der Pieds-noirs. Heute stehen dort zwar noch Reben, aber kaum eine, deren Ertrag für eine der neun Appellationen der Insel reichen würde.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne, dunkle Auflage aus verrottetem Maquis-Laub und Nadeln der Steineiche. In der Sommerhitze trocknet sie als Erstes aus.

Die Wurzel: Hier liegen nur die feinsten Wurzeln. Bei der ersten Augusthitze geben sie als Erste auf.

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