
Schiefer und Kalkmergel
Böden
Grab in einem Weinberg von Faugères ein Loch. Fast sofort landest du auf einem Gestein, das überall gleich aussieht: Schiefer, blaugrau bis bräunlich, manchmal mit einem rostroten oder violetten Schimmer. Sieben Gemeinden bilden die Appellation, und in allen siebenen ist der Untergrund derselbe. Nirgendwo sonst im Languedoc ist eine ganze AOC so einheitlich auf ein einziges Gestein gebaut.
Das Gestein ist uralt. Es entstand vor rund dreihundertfünfzig Millionen Jahren, im Devon und Karbon, als sich Schlamm am Grund eines lange verschwundenen, urzeitlichen Meeres zu dünnen Platten verdichtete. Heute bricht dieser Schiefer in scharfkantigen Blättern, die man mit der Hand auseinanderfalten kann wie die Seiten eines Buchs.
Für die Rebwurzel ist das eine Einladung. Sie zwängt sich zwischen die Platten und sucht nach jedem Riss. Weil Wasser und Nährstoffe hier so knapp sind, treibt sie immer tiefer in die Tiefe, oft auf bis zu sieben oder acht Metern, wo man ihre feinsten Enden im Faugères-Schiefer schon häufig gefunden hat. Diese Tiefe ist die Versicherung gegen den trockenen Languedoc-Sommer.
Die dunkle Farbe des Schiefers hat dabei einen zweiten, wichtigen Effekt. Sie speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts an die Trauben zurück. Das beschleunigt die Reife und macht den Wein dichter, als er auf einem hellen Kalkboden würde. Zugleich fließt Regenwasser durch die losen Platten sofort ab, Staunässe kennt der Schiefer praktisch nicht.
Wenige Kilometer weiter sieht der Boden schon ganz anders aus. In den Corbières und im Minervois herrscht Kalkmergel und Ton, hart und hell. Er hält Wasser länger als der Schiefer und lässt die Weine strenger und langsamer reifen. An der Küste bei La Clape wiederum liegen runde Flusskiesel über dem Kalkfelsen, dieselben Steine, die auch in Châteauneuf-du-Pape die Hitze speichern. Drei Böden, eine Region — und im Glas schmeckt man den Unterschied.
Dünne, dunkle Auflage aus verrottetem Garrigue-Kraut und wenig verwittertem Schiefergrus. Nach starkem Regen ist sie binnen Stunden wieder trocken.
Die Wurzel: Hier liegen nur die feinsten Wurzeln. Sie holen, was der seltene Regen gerade bringt, und sind als Erste durstig.