Klima in der Region Languedoc

Tramontane und Regen

Klima

Narbonne zählt im Schnitt rund dreihundert Sonnentage im Jahr. Das klingt nach Idylle, ist aber vor allem Stress für die Rebe: wenig Regen, viel Verdunstung, und Böden, die im Hochsommer aufreißen. Was diese Trockenheit erträglich macht, ist ein Wind mit eigenem Namen.

Die Tramontane weht aus Nordwesten, kalt und trocken, oft mit über hundert Stundenkilometern. An etwa hundertsiebzig Tagen im Jahr ist sie hier spürbar. Sie fegt Wolken weg, noch bevor sich Pilzkrankheiten in den feuchten Trauben festsetzen können — ein Grund, warum viele Weinberge im Languedoc bis heute kaum gespritzt werden müssen. Jung gepflanzte Reben leiden trotzdem: Sie müssen tief und stabil wurzeln, sonst reißt sie der Wind einfach aus der Erde.

Im Herbst kippt das Bild. Dann bringen sogenannte cevenolische Episoden — feuchte Mittelmeerluft, die an den Cevennen aufsteigt und abregnet — binnen Stunden so viel Wasser, wie sonst in Monaten fällt, und Winzer müssen manchmal mitten in der Lese abbrechen. Zwischen diesen Extremen liegt kaum eine sanfte Mitte.

Wer der Hitze entkommen will, geht hoch. Am Pic Saint-Loup, dreißig Kilometer nördlich von Montpellier, liegen die Weinberge zwischen zweihundert und vierhundert Metern. Die kühlen Nächte dort machen mehr aus als jedes Kellerverfahren: Die Säure bleibt erhalten, während unten im Tal die Trauben schon müde werden. Um die siebenhundert Millimeter Regen fallen hier im Jahr, mehr als an der Küste. Das lässt die Syrah-lastigen Weine der Gegend frischer wirken.

An der Küste gilt eine andere Regel. In La Clape, wo das Meer kaum einen Kilometer entfernt liegt, mildert die Nähe zum Wasser die größten Hitzespitzen, während tagsüber aufgeheizte Kieselsteine die Wärme in der Nacht wieder abgeben und die Trauben zusätzlich reifen lassen. Frost kennt man hier praktisch nicht.

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