Verkosten in der Region Languedoc

An einem Faugères

Verkosten

Ein Faugères zeigt seine Herkunft schon in der Farbe, bevor man ihn überhaupt gerochen hat. Sie ist dunkel, fast undurchsichtig in der Mitte, mit einem violetten Rand bei einem jungen Jahrgang — ein Ergebnis von Syrah und Mourvèdre, die beide viel Farbstoff in der Schale tragen. Das unterscheidet ihn sofort von einem hellen, durchscheinenden Pinot Noir.

Dann kommt die Nase, und mit ihr ein Duft, den man kaum woanders findet: Garrigue, die trockene Kräuterlandschaft rund um die Weinberge, mit wildem Thymian, Rosmarin und Lorbeer. Das kommt nicht vom Wetter allein. Die Schalen der Trauben hängen direkt neben diesem Gestrüpp, Bienen und Wind tragen die Aromastoffe hin und her, und manche Winzer behaupten, man rieche die Landschaft, bevor man den Wein überhaupt gekostet hat.

Im Mund meldet sich zuerst das Tannin. Es ist kantig und griffig, geprägt vom Mourvèdre und von der harten Schale kleiner, schieferverwöhnter Beeren. Dahinter liegt die Säure, die vor allem der Carignan mitbringt und die den Wein trägt, statt ihn schwer wirken zu lassen. Beides zusammen macht einen Faugères zäh in der Jugend.

Eine mineralische Note schreibt man diesem Wein oft zu, wegen des Schiefers im Boden. Was die Rebe tatsächlich aufnimmt, sind aber gelöste Salze in winzigsten Mengen, die niemand herausschmecken kann. Der Boden wirkt über einen Umweg: über Wärme, über Wasserhaushalt, über die Tiefe der Wurzel. Das reicht völlig.

Am Ende zählt die Länge. Wie lange bleibt der Geschmack nach dem Schlucken stehen, bevor er verschwindet? Bei einem einfachen Languedoc-Wein sind das wenige Sekunden. Bei einem gut gemachten Faugères von einem alten Weinberg kann der Nachgeschmack eine halbe Minute tragen, mit Kräutern und dunkler Frucht, die sich langsam auflösen, statt abrupt abzureißen.

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