
Sec bis Doux
Herstellung
Keine andere Region stellt aus so wenigen Sorten so viele Stile her wie die Loire. Derselbe Chenin Blanc wird trocken, halbtrocken, edelsüß oder als Schaumwein ausgebaut. Auf dem Etikett steht am Ende oft nur, wie süß der Wein wirklich ist: sec, demi-sec, moelleux, liquoreux.
Beim Muscadet entscheidet dagegen nicht die Süße, sondern die Reifung. Der junge, meist recht neutrale Wein bleibt nach der Gärung auf seiner Feinhefe liegen. Das dauert mindestens bis zum ersten März des Folgejahres, oft in unterirdischen Betontanks. Dabei entsteht die Bezeichnung sur lie. Aus der Hefe wandern feine Brot- und Nussnoten in den Wein, dazu ein Hauch natürlicher Kohlensäure, der ihn auf der Zunge leicht kribbeln lässt.
Für die edelsüßen Chenin-Weine der Coteaux du Layon, Bonnezeaux und Quarts de Chaume braucht es dagegen Geduld und mehrere Lesedurchgänge. Die Trauben bleiben am Stock hängen, bis Botrytis cinerea, die Edelfäule, sie schrumpfen lässt und den Zucker konzentriert — Pflücker gehen dafür oft drei- oder viermal durch denselben Weinberg und ernten jedes Mal nur die reifsten Beeren.
Bei Cabernet Franc in Chinon und Bourgueil entscheidet vor allem die Zeit auf der Schale. Wer nur kurz maischt, bekommt einen leichten, fast an Beaujolais erinnernden Wein zum baldigen Trinken. Wer länger wartet, holt mehr Farbe und Tannin heraus. Dafür braucht der Wein ein paar Jahre Flaschenreife, bevor die grüne Paprikanote der jungen Trauben sich zu Gewürz und Veilchen wandelt.
Für den Crémant de Loire schließlich gilt seit 1975 die méthode traditionnelle. Von Hand gelesen in flachen Kisten, sanft gepresst, folgt eine zweite Gärung in der Flasche. Mindestens neun Monate liegt der Wein dabei auf der Hefe. Chenin Blanc trägt die Basis, Cabernet Franc färbt den Rosé. Dieselben beiden Sorten, die sonst als Stillwein abgefüllt werden, tragen hier die Perlage.