Gläser in der Region Loire

Eng für Säure

Gläser

Ein Glas entscheidet, wie viel Luft an den Wein kommt und wohin der Duft steigt. Bei den Weißweinen der Loire ist diese Entscheidung besonders heikel. Sowohl Sauvignon Blanc als auch Chenin Blanc leben von einer scharfen, präzisen Säure, die ein falsches Glas breittreten kann.

Für Sancerre und Pouilly-Fumé passt ein schlankes, tulpenförmiges Glas mit enger Öffnung, wie es die französische Prüfstelle INAO für Verkostungen vorschreibt. Ein weiter Bauch würde Stachelbeere und Feuerstein zerstreuen, bevor sie die Nase erreichen. Die enge Form dagegen bündelt genau diese feinen, flüchtigen Töne. Sie schickt sie konzentriert nach oben.

Bei der Temperatur wird oft übertrieben gekühlt. Sieben bis zehn Grad reichen für einen jungen Sancerre völlig aus, kälter schmeckt der Wein nur noch nach Säure und verliert seine Frucht — ein reifer, mehrjähriger Chenin aus Savennières dagegen verträgt ein paar Grad mehr, weil seine Aromen erst bei etwas Wärme aus dem Glas steigen.

Für die süßen Chenin-Weine aus den Coteaux du Layon gilt eine andere Regel. Sie kommen in ein kleineres Glas, kühler serviert, als man es von einem Dessertwein erwarten würde. Sonst wirkt die Süße plump statt spannungsvoll, und die feine Honig- und Aprikosennote, die der Edelfäule zu verdanken ist, geht unter.

Cabernet Franc aus Chinon oder Bourgueil braucht kein großes Bordeaux-Glas. Diese Rotweine sind schlanker gebaut als ihre Verwandten am Atlantik. Ihr Duft nach Himbeere und Veilchen verträgt eine leichte Kühle von vierzehn bis sechzehn Grad besser als die zwanzig Grad, mit denen viele Rotwein servieren. Zu warm, und die grüne Paprikanote drängt sich vor die Frucht.

Der Crémant de Loire schließlich gehört ins schmale Flötenglas. Nur so bleibt die Perlage lang genug erhalten, um bis zum letzten Schluck aufzusteigen. Erst ein halb gefülltes Glas lässt ihr überhaupt den Platz dafür.

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