
Restanques & Safre
Böden
Grab in einem Weinberg bei Bandol ein Loch. Der Spaten trifft Stein. Nach einer Handbreit Humus kommt Schutt: Platten aus Kalkstein und Sandstein, dazwischen sandiger Mergel, alles lose und scharfkantig — das ist der Boden, auf dem die berühmten Restanques stehen. Trockenmauern stützen diese Terrassen, die die Hänge über dem Meer wie eine Treppe hinabführen.
Dieser Boden hält kaum Wasser und noch weniger Nährstoffe, und genau das ist der Punkt. Die Rebe muss sich durchkämpfen und treibt ihre Wurzeln tief. Was oben fehlt, findet sie weiter unten in einer Schicht aus Safre, einem weichen, hellen Sandstein. Er speichert Feuchtigkeit wie ein Schwamm und gibt sie im August portionsweise wieder ab.
Rund vierzig Kilometer weiter östlich, im Massif des Maures, sieht der Untergrund völlig anders aus. Zwei Welten, eine Region. Dort liegt kristallines Gestein, über dreihundert Millionen Jahre alt: Schiefer, Glimmer und Quarzit, die zu dünnen, bläulich-grauen Platten verwittern. Auf diesem Gestein wachsen viele der Trauben für Rosé, während die kalkigen Terrassen von Bandol und Cassis eher den kräftigen Rotweinen vorbehalten sind.
Beide Böden zwingen die Rebe zu kleinen Beeren, weil Wasser knapp bleibt. In einer kleinen Beere steckt im Verhältnis mehr Schale als Saft, und genau dort sitzen Farbe, Tannin und ein Großteil der Aromastoffe. Ein Mourvèdre von den Restanques schmeckt deshalb dichter als einer aus dem fruchtbaren Talgrund, obwohl im Keller mit beiden dasselbe passiert.
Wer nur an blassen Sommerrosé denkt, unterschätzt, was diese Böden noch können. Ein Bandol-Rotwein aus einem Jahrgang der Achtzigerjahre trinkt sich heute oft besser als mit zehn. Das karge Restanque-Gestein zwingt den Mourvèdre zu genau der Struktur, die für ein langes Leben in der Flasche nötig ist. Der magerste Boden der Provence bringt so die langlebigsten Weine der Region hervor, nicht die fruchtbarsten Lagen.
Dünne, helle Auflage aus verrottetem Blattwerk und Kräutern der Garrigue. In den Restanques oft nur eine Handbreit dick, weil Wind und Sonne organisches Material schnell abbauen.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die den seltenen Regen sofort aufnehmen — und als Erste austrocknen, wenn der Mistral tagelang weht.