
Der Mistral entscheidet
Klima
Zwei Klimazonen teilen sich das Rhônetal, und die Grenze liegt ungefähr bei Montélimar. Im Norden, um Ampuis und Tain-l'Hermitage, ist das Klima deutlich kontinentaler, mit kühleren Wintern und unsicheren Frühjahren. Nur an den steilsten, sonnigsten Terrassen werden die Reben dort überhaupt richtig reif, weshalb die besten Syrah-Lagen fast senkrecht über dem Fluss stehen.
Weiter südlich übernimmt das Mittelmeer, und Avignon zählt im Schnitt rund zweitausendachthundert Sonnenstunden im Jahr. Die Sommer sind heiss und trocken, die Winter mild und regenreich. Im Juli klettert das Thermometer tagsüber auf dreiunddreissig Grad, im Januar bleibt der Höchstwert bei nur zwölf. Die Trauben reifen hier fast immer ohne Mühe, manchmal sogar zu schnell für ihr eigenes Gleichgewicht aus Zucker und Säure.
Gegen dieses zu schnelle Reifen hilft ausgerechnet ein Wind, der andernorts als reine Plage gilt: der Mistral. Er weht an rund hundertfünfzig Tagen im Jahr aus dem Norden, mit Geschwindigkeiten um die vierundsiebzig Stundenkilometer, manchmal deutlich mehr. Junge Reben müssen an Pfähle gebunden werden. Sonst reisst er sie glatt aus dem Boden.
Die meisten Winzer mögen ihn trotzdem. Er trocknet die Trauben nach jedem Regen binnen Stunden und verhindert damit Fäulnis und Pilzbefall, und er bringt nach jedem Durchzug einen klaren, wolkenlosen Himmel mit sich. Ohne ihn bräuchte die südliche Rhône deutlich mehr Spritzmittel im Weinberg. Mit ihm arbeiten viele Betriebe heute fast biologisch, weil der Wind einen guten Teil der Arbeit übernimmt, die sonst Chemie erledigen müsste.