
Galets & Schiefer
Böden
Grab in einem Weinberg bei Châteauneuf-du-Pape ein Loch — fast sofort stösst du auf Steine: faustgrosse, rundgeschliffene Kiesel, glatt wie Flusskiesel am Strand, was sie auch sind. Man nennt sie galets roulés, gerollte Kiesel. Hier liegen sie zu Millionen.
Ihre Geschichte beginnt in den Alpen. Gletscher und der junge Rhône schoben das Geröll über viele Kilometer bis hierher und schliffen die Brocken auf dem Weg rund. Als das Wasser sich zurückzog, blieb eine dicke Schicht dieser Kiesel auf einer Terrasse aus rotem Lehm liegen. Genau diese Terrasse trägt heute einen grossen Teil der Reben von Châteauneuf-du-Pape.
Die Steine arbeiten wie ein Ofen: Tagsüber speichern sie die Sonnenwärme, nachts geben sie sie wieder an die Trauben ab. Selbst im heissesten August verdunstet unter der Kiesschicht kaum Wasser aus dem Lehm darunter. Die Wurzel muss trotzdem tief hinunter, bis zu drei Meter, weil oben zwischen den Steinen fast keine Nährstoffe zu holen sind.
Im Norden, an der Côte-Rôtie, sieht der Boden völlig anders aus: keine runden Kiesel, sondern zerbrochenes Gestein. Die Côte Brune besteht aus dunklem, eisenreichem Glimmerschiefer, der den Wein streng und langlebig macht, während die Côte Blonde auf hellem Gneis liegt, der weichere, duftigere Weine ergibt. Beide Hänge liegen nur wenige hundert Meter auseinander, schmecken aber, als kämen sie von verschiedenen Kontinenten.
Was beide Böden verbindet, ist Armut: Weder Kiesel noch Schiefer geben der Rebe viel her. Genau das zwingt sie, tief zu wurzeln und wenige, aber konzentrierte Trauben zu tragen. Ein fetter, feuchter Boden würde im Rhônetal keinen grossen Wein hervorbringen. Er würde nur mehr davon liefern.
Dünne, oft staubtrockene Auflage aus Gras und verrottetem Laub zwischen den ersten Kieseln.
Die Wurzel: Hier sitzen nur die feinsten Wurzelhärchen — sie sind die ersten, die im Sommer vertrocknen.