
Syrah & Grenache
Rebsorten
Im Norden des Rhônetals herrscht eine einzige rote Sorte, ohne Ausnahme: Syrah. Die Appellationen um Ampuis, Tain-l'Hermitage und Cornas lassen keine andere rote Traube zu. Wer hier einen Rotwein trinkt, trinkt reinen Syrah — dunkel in der Farbe, reich an Tannin, dem rauen Griff, den man nach dem Schlucken am Zahnfleisch spürt. Dazu kommt ein Duft nach schwarzem Pfeffer, Veilchen und geräuchertem Speck. Nur eine Ausnahme gilt seit alter Tradition: In der Côte-Rôtie dürfen bis zu zwanzig Prozent Viognier mitvergoren werden, eine weisse Traube, die dem Rotwein Blütenduft und mehr Fülle gibt. Praktisch nutzen die meisten Winzer davon nur einen winzigen Bruchteil.
Viognier hat noch eine zweite Heimat: Condrieu. Ein winziges Gebiet an einem fast senkrechten Granithang, das ausschliesslich Weisswein aus dieser einen Sorte erzeugt — cremig, nach Aprikose und Weissdornblüte duftend. Die Fläche war so schwer zu bewirtschaften, dass sie in den siebziger Jahren auf wenige Hektar geschrumpft war. Erst Winzer, die stur an den Terrassen festhielten, retteten die Sorte vor dem Verschwinden.
Weiter südlich kippt das Bild vollständig. Hier regiert Grenache, eine Sorte, die ursprünglich aus Aragonien in Spanien stammt und dort Garnacha heisst. Sie liebt Hitze, treibt spät aus und liefert viel Alkohol und rote Frucht. Farbe und Säure bringt sie dagegen von allein kaum mit, deshalb steht sie fast nie allein im Glas. Die Vorschrift für Châteauneuf-du-Pape, das sogenannte Lastenheft, erlaubt achtzehn Rebsorten — darunter Syrah für Struktur, Mourvèdre für Tiefe und Cinsault für Leichtigkeit. Ein einzelner Betrieb nutzt davon selten mehr als vier oder fünf.
Der Grund für diese Vielfalt ist einfach: Kein Jahrgang ist wie der andere, und wer mehrere Sorten im Weinberg hat, gleicht schwache mit starken aus. Grenache bringt die Wärme. Mourvèdre liefert dunkle Frucht und Alter, Cinsault die Frische. Zusammen ergeben sie einen Wein, der wärmer und runder schmeckt als jeder Syrah aus dem Norden. Der Unterschied zwischen den beiden Enden des Rhônetals liegt oft nur eine Fahrstunde auseinander — und schmeckt trotzdem wie zwei verschiedene Länder.