Region & Geschichte in der Region Savoyen

Bergsturz bis Rattachement

Region & Geschichte

Im November 1248 brach in einer einzigen Nacht die Südflanke des Mont Granier ab. Über dreiundzwanzig Quadratkilometer verschwanden unter Fels und Schutt, rund tausend Menschen starben, und die Pfarrei Saint-André wurde von der Landkarte gewischt. Was blieb, war ein Trümmerfeld aus hellem Kalkstein am Fuß des Bergs. Genau darauf pflanzten Winzer aus Chambéry im achtzehnten Jahrhundert ihre Reben. Apremont und Abymes, zwei der bekanntesten Weine Savoyens, tragen das Unglück bis heute im Namen. Abymes kommt von abîmes, den Abgründen.

Vorher schon hatten Mönche den Weinbau am Leben gehalten. Zisterzienser der Abtei Hautecombe am Lac du Bourget bauten ab dem elften Jahrhundert Reben an, verkauften den Wein und finanzierten damit Kirche und Armenfürsorge. Ab dem dreizehnten Jahrhundert griffen die Grafen und späteren Herzöge von Savoyen selbst zu. Sie erkannten die besten Lagen am Ufer des Genfersees, in Seyssel, in Chautagne und in der Cluse von Chambéry, und sorgten für deren Ruf. Wein war Prestige, bevor er Genuss war.

Im Jahr 1768 bedeckten die Reben neuntausend Hektar savoyischen Boden. Dann kam die Eisenbahn. Sie brachte billigen, kräftigeren Wein aus Südfrankreich in die Alpentäler. Dagegen konnten die dünnen, säurebetonten Gewächse aus schlechteren Lagen kaum bestehen, und viele davon wurden schon vor jeder Rebkrankheit aufgegeben. 1860 stimmten die Savoyarden in einer Volksabstimmung mit über neunundneunzig Prozent für den Anschluss an Frankreich; bis dahin gehörte das Herzogtum zum Königreich Sardinien-Piemont. Fast zwei Jahrzehnte später traf die Reblaus das geschwächte Weinland endgültig: Sie erreichte Savoyen 1877, und 1885 waren bereits fünfundfünfzig von fünfundsechzig Weinbaugemeinden befallen.

Wiederaufbau bedeutete roden, auf amerikanische Unterlagsreben pfropfen, neu anfangen. 1954 bekam der Wein den Status VDQS, eine Vorstufe zur höchsten Klasse. Am vierten September 1973 wurde „Vin de Savoie“ zur vollwertigen Appellation d'Origine Contrôlée erhoben. Seither ist die Kontrolle streng: Sechzehn geografische Zusatzbezeichnungen wie Chignin, Arbin oder Ayze dürfen ihren Dorfnamen nur tragen, wenn Boden, Rebsorte und Ertrag zusammenpassen. Heute bewirtschaften rund fünfhundert Betriebe gut zweitausend Hektar zwischen dem Genfersee und den Bauges. Das ist ein Bruchteil von 1768, aber mit einem Ruf, den es damals nicht gab.

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