Klima in der Region Savoyen

Föhn und Seelage

Klima

Savoyen liegt weiter nördlich als jede italienische Weinregion, und trotzdem reift hier Wein zuverlässig. Der Grund heißt „la traverse“: ein föhnartiger Südwestwind, der durch die Combe de Savoie fegt. Er erwärmt die Luft und trocknet die Trauben nach Regen rasch ab. Ohne ihn wäre die Fäulnisgefahr in diesem feuchten Bergland deutlich höher.

Feucht ist es tatsächlich: Zwischen tausend und zwölfhundert Millimetern Regen fallen im Jahr in den tieferen Lagen, in den Bergen darüber teils mehr als zweitausend. Trotzdem zählt man im Schnitt rund neunzehnhundert Sonnenstunden im Jahr. Das ist mehr, als die Regenmenge vermuten lässt, weil die Sonne über den Hängen steht und der Nebel meist im Tal bleibt.

Ohne die richtige Ausrichtung geht trotzdem nichts. Die meisten Weinberge liegen zwischen dreihundert und sechshundert Metern, fast immer auf Süd- oder Südosthängen. Denn in dieser Höhe entscheidet jeder Grad Neigung über reif oder grün. Früher wagte man sich in den Seitentälern von Tarentaise und Maurienne bis auf tausend Meter hinauf, übrig geblieben sind davon heute nur einzelne Parzellen, der Rest ist längst wieder Wiese.

Die großen Seen wirken wie Heizkörper. Lac Léman, Lac du Bourget und der kleinere Lac d'Annecy speichern im Sommer Wärme und geben sie im Herbst langsam wieder ab, was die Frostgefahr in den Ufergemeinden senkt. Rund um Crépy am Genfersee reift deshalb selbst eine so neutrale Sorte wie Chasselas zuverlässig aus. Dabei liegt der Ort auf keiner Weinkarte besonders südlich.

Der Klimawandel verschiebt auch hier die Uhr. Wärmere Herbste kommen vor allem der spät reifenden Mondeuse zugute, die früher oft grün und hart blieb, wenn der Oktober zu kalt wurde. Heute gelingt mehr Winzern als noch vor zwanzig Jahren ein wirklich reifer Arbin. Die frühe, empfindliche Jacquère dagegen wird zunehmend schon Anfang September gelesen, teils drei Wochen früher als in den Aufzeichnungen der Achtzigerjahre.

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