Böden in der Region Savoyen

Schutt vom Granier

Böden

Grab in einem Weinberg bei Apremont ein Loch, und du triffst schnell auf kantige, helle Steine. Kalkstein, manche faustgroß, manche wie kleine Blöcke, lose übereinandergeschichtet. Das ist der Schutt des Mont Granier, der 1248 auf einer Fläche von über dreiundzwanzig Quadratkilometern niederging und bis heute unter dem Namen éboulis, Geröll, in jeder Weinbeschreibung der Gegend auftaucht.

Wasser und Luft kommen durch diese lose Schüttung leicht durch, Nährstoffe dagegen kaum. Die Jacquère-Wurzel reagiert darauf, wie Reben es meistens tun: Sie treibt tief, mehrere Meter, auf der Suche nach beidem. Genau diese Anstrengung bremst den Wuchs. Sie konzentriert das wenige, was am Ende in der Beere landet.

Wenige Kilometer weiter, in der Combe de Savoie bei Arbin, sieht der Boden völlig anders aus. Dort liegt über dunklem Mergel aus der Jurazeit eine dünnere Schicht Geröll vom Massif des Bauges. Dieser Boden hält deutlich mehr Wasser als der helle Kalkschutt von Apremont. Genau auf diesen dunklen, im Land „terres noires“ genannten Böden steht die Mondeuse am liebsten. Sie braucht die zusätzliche Reserve, um in einem kühlen Sommer überhaupt reif zu werden.

In Chignin wiederum ist der Boden mager und von Mergel durchsetzt, kalkhaltig und steinig zugleich. Die Roussanne, hier Bergeron genannt, mag genau das. Auf reichem Boden wird sie fett und plump, auf diesem kargen Hang bleibt sie duftig und behält ihre Säure. Drei Weinberge, drei Böden, drei völlig verschiedene Weine, und keine zehn Kilometer liegen dazwischen.

Was die drei Lagen verbindet, ist nicht die Zusammensetzung, sondern die Herkunft. Gletscher und Bergstürze haben in wenigen Jahrtausenden ein Kleinklima aus Böden geschaffen, das auf keiner geologischen Karte Frankreichs sonst so dicht vorkommt. Wer durch die Combe de Savoie fährt, wechselt alle paar hundert Meter den Untergrund und schmeckt es am Ende im Glas, ohne je eine Karte gesehen zu haben.

Grab dich durchSchicht antippen

Eine dünne dunkle Auflage aus Laub und verrottetem Gras, in den steilen Lagen um Apremont selten dicker als eine Handbreit.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die den ersten Regen aufnehmen — und im August als Erste vertrocknen.

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