
Apremont bis Arbin
Verkosten
Halt ein Glas Apremont oder Abymes gegen ein weißes Blatt Papier. Die Farbe ist blassgold mit einem Stich ins Grüne, fast wie verdünnter Weißwein, und genau das ist typisch für Jacquère: wenig Farbstoff in der dünnen Schale, viel Säure im Saft.
Riech zweimal, einmal in Ruhe und einmal nach dem Schwenken. In Ruhe kommt fast immer Zitrusschale zuerst, danach weiße Blüten. Wer genau hinschmeckt, findet oft eine Spur Feuerstein, auf Französisch pierre à fusil genannt. Sobald der Wein die Zunge erreicht, kommt der Moment, der Savoyen von fast jeder anderen Weißweinregion unterscheidet. Es ist ein feines, im Glas selbst kaum sichtbares Prickeln.
Wechsle danach zu einer Mondeuse aus Arbin, und der Unterschied könnte kaum größer sein. Die Farbe ist tief violett bis fast schwarz, ganz anders als bei den hellen Weißen zuvor, und in der Nase liegt schwarzer Pfeffer neben Veilchen und dunkler Kirsche. Im Mund packt das Tannin zu, kantig bei jungen Jahrgängen, samtig nach fünf oder mehr Jahren in der Flasche.
Achte bei beiden auf denselben Punkt: die Säure. Sie sitzt seitlich an der Zunge, lässt Speichel fließen und ist bei kaum einer anderen französischen Weißweinregion so bestimmend wie hier. Sie ist der Grund, warum ein einfacher Apremont noch nach Jahren frisch schmeckt, obwohl er nie zum Lagern gedacht war.
Zum Schluss noch die Altesse. Am besten aus Marestel oder Frangy. Zwischen der Zitrus- und Kräuterwelt der Jacquère und der dunklen Würze der Mondeuse liegt sie in der Mitte. Sie schmeckt nussig, nach reifer Birne und einem Hauch Honig, dazu genug Struktur für zwei, drei Jahre Flasche. Wer diese drei Gläser nacheinander verkostet, hat die ganze Bandbreite Savoyens im Mund, ohne dass ein einziger Winzername je gefallen wäre.