
Vin noir & Pilgerweg
Region & Geschichte
Schon die Römer bauten hier Wein an, im Tal des Lot bei Cahors und rund um Gaillac, wo eine Rebfläche seit dem ersten Jahrhundert nachweisbar ist. Nach dem Fall Roms verwilderten viele Weinberge. Das dauerte Jahrhunderte. Mönche brachten sie um das Jahr 900 wieder in Ordnung, Zeile für Zeile, und legten damit den Grund für eines der ältesten Weinbaugebiete Frankreichs.
Im Mittelalter fuhr der Wein aus Cahors auf Lastkähnen den Lot hinunter bis zur Garonne, dann weiter nach Bordeaux und von dort nach England und Russland. Wegen seiner fast schwarzen Farbe hieß er vin noir. Doch 1241 gewährte der englische König Bordeaux ein Privileg, das genau diesen Konkurrenten kleinhielt: Weine aus dem Hinterland, aus Cahors, Gaillac oder Bergerac, durften den Hafen von Bordeaux erst nach dem elften November erreichen, wenn die eigene Ernte längst verkauft war. Das nannte man das Privilège de Bordeaux. Fünfhundert Jahre lang bestimmte diese eine Regel, wer in Europa berühmt wurde und wer nicht.
Weiter südlich schuf ein anderer Weg seinen eigenen Wein. Pilger auf dem Jakobsweg zogen durch Madiran, tranken dort Messwein und trugen seinen Ruf mit sich über die Pyrenäen. So wurde Madiran zum Wein der Pilger. Legende und Urkunde verschmelzen bei Jurançon: Der kleine Heinrich von Navarra, später König Heinrich IV., soll 1553 bei seiner Taufe die Lippen mit Knoblauch eingerieben und mit ein paar Tropfen Jurançon befeuchtet bekommen haben. Wahr ist das kaum. Ausgeschmückt wurde die Szene erst 1820, als der französische Hof sie für eine königliche Taufe neu inszenierte.
Die Reblaus erreichte die Region 1876 und legte die Weinberge über Jahrzehnte lahm. Kaum hatte sich Cahors davon erholt, zerstörte im Februar 1956 ein Frost von unter minus fünfzehn Grad über neunzig Prozent der Reben. Ein einziger Winter, fast alles verloren. Statt vieler Sorten pflanzten die Winzer danach fast nur noch Malbec, aus purer Konzentration auf das, was am besten funktionierte. Das Ergebnis kam spät, aber es kam. Jurançon wurde 1936 anerkannt, Gaillac 1938, Madiran 1948, Cahors erst 1971.