Rebsorten in der Region Sud-Ouest

Malbec, Tannat, Manseng

Rebsorten

Vier Rebsorten geben den vier wichtigsten Weinen des Sud-Ouest ihr Gesicht, und jede davon ist woanders auf der Welt kaum bekannt. In Cahors heißt sie amtlich Côt, örtlich Auxerrois, gehandelt wird sie unter ihrem berühmtesten Namen: Malbec. Mindestens siebzig Prozent eines Cahors müssen aus ihr bestehen, der Rest darf Merlot oder Tannat sein. Malbec hat dicke Schalen voller Farbstoff, deshalb wirkt der Wein fast undurchsichtig dunkel im Glas.

In Madiran regiert eine noch härtere Sorte. Tannat verdankt ihren Namen vermutlich dem französischen Wort für Gerbstoff, und das ist kein Zufall: Sie zählt zu den tanninreichsten Rotweintrauben der Welt, mit dicken, kernreichen Beeren voller Polyphenole. Im Lastenheft muss ihr Anteil zwischen vierzig und achtzig Prozent liegen, ergänzt durch Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon oder Fer. Ein junger Madiran kann so viel Tannin haben, dass er das Zahnfleisch regelrecht austrocknet.

Jurançon dagegen lebt von zwei weißen Schwestern. Petit Manseng hat winzige Beeren und eine so dicke Schale, dass sie kaum fault, sondern am Stock zur Rosine eintrocknet. Gros Manseng liefert mehr Menge und mehr Säure, dafür weniger Zucker. Zusammen ergeben sie trockene wie süße Weine unter demselben Appellationsnamen, unterschieden nur durch das Wort auf dem Etikett: sec oder ohne Zusatz.

Gaillac ist die Wundertüte der Region. Bei den Weißen dominieren Mauzac und Len de l'Elh, wörtlich Fern vom Auge, weil ihre Trauben weit vom Rebstiel abstehen. Bei Rot und Rosé müssen Duras, Fer und Syrah zusammen mindestens sechzig Prozent stellen, der junge Primeur entsteht traditionell aus Gamay. Bergerac und Monbazillac schließlich setzen auf Sémillon, Sauvignon Blanc und Muscadelle, dieselbe Mischung, die auch in Bordeaux blüht, nur unter einem anderen Namen verkauft.

Was diese Sorten verbindet, ist ihre Seltenheit außerhalb der eigenen Heimat. Cabernet Sauvignon wächst inzwischen auf jedem Kontinent, Tannat kaum irgendwo außer hier und in Uruguay, wohin ihn baskische Auswanderer im neunzehnten Jahrhundert mitnahmen. Wer Malbec, Tannat oder Manseng verstehen will, muss deshalb hierherkommen. Anderswo sind sie höchstens ein Nebensatz.

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