
Lehm über Kalkmergel
Böden
Grab in einem Weinberg bei Sviri ein Loch. Fels kommt hier nicht zum Vorschein, sondern feiner, schwerer Lehm. Dies ist der östliche Rand der Kolchis-Niederung, aufgeschüttet über Jahrtausende von Rioni und Qwirila, den beiden Flüssen, die sich hier treffen.
In den obersten dreißig Zentimetern liegt eine dünne, dunkle Humusschicht, doch bei anderthalb Metern Regen im Jahr hält sie nicht lange vor — was die Blätter aus dem letzten Herbst an Nährstoffen liefern, spülen die nächsten Wolkenbrüche größtenteils wieder aus.
Darunter beginnt eine helle, fast ausgebleichte Lehmschicht. Fachleute nennen das gebleichte Böden, weil ständige Nässe Eisen und Mineralien nach unten auswäscht. Reben finden hier wenig zu holen, Stickstoff und Phosphor liegen unter dem Durchschnitt. Genau dieser Mangel zwingt die Wurzeln aber, tiefer zu wachsen, als sie es auf fruchtbarerem Grund tun würden.
Erst ab etwa siebzig Zentimetern kommt fester, kalkhaltiger Lehm. Er ist humuskalkig und braun, mit stellenweise beachtlichem Kalkanteil, der in manchen Abschnitten über zehn Prozent erreicht. Diese Schicht speichert das Wasser, das die Rebe im August braucht, wenn die Verdunstung fast so hoch ist wie der Regen, der in diesem Monat noch fällt.
An den sanften Hügeln oberhalb der Talsohle liegt dieser dritte, kalkhaltige Boden oft nah unter der Oberfläche. Dort wachsen die besten Trauben für Sviri und Obcha. In der Talebene selbst reicht dagegen oft nur die ausgewaschene mittlere Schicht bis in die Tiefe. Dort wächst Wein für den täglichen Tisch, nicht für die Flasche mit Herkunftsnamen.
Dünne dunkle Auflage aus Laub und Wurzelresten, die anderthalb Meter Jahresregen rasch wieder auswäscht.
Die Wurzel: Die Feinwurzeln holen, was der letzte Regen brachte — und sind meist als Erste wieder trocken.