
Regen statt Trockenheit
Klima
In Sviri fallen im Jahr rund eineinhalb Meter Regen. Das ist etwa doppelt so viel wie im östlichen Kachetien, wo die bekannte Weinstadt Telavi im Schnitt auf ungefähr siebenhundertfünfzig Millimeter kommt. Der Unterschied hat einen Namen: das Likhi-Gebirge, das Georgien von Norden nach Süden teilt. Es fängt die feuchten Winde vom Schwarzen Meer im Westen ein, bevor sie den trockeneren Osten erreichen.
Warm ist es trotzdem. Die Jahresmitteltemperatur um Sviri liegt bei vierzehn Grad. Im August klettert sie im Schnitt auf über vierundzwanzig, im Januar bleibt sie meist knapp über null bei plus vier Grad. Zwischen Ende März und Ende November überschreitet die Tagestemperatur zuverlässig zehn Grad. Das sind mehr als zweihundertdreißig Tage am Stück, in denen die Reben wachsen können.
Diese Wärme kommt mit einem Preis: hoher Luftfeuchtigkeit. Falscher Mehltau und Echter Mehltau, zwei verschiedene Pilzkrankheiten trotz des ähnlichen Namens, gehören zu den größten Sorgen der Winzer, weshalb traditionell erzogene Reben hoch am zweiseitigen georgischen Spalier stehen, damit Wind und Sonne zwischen den Blättern hindurchkommen und die Blätter schneller trocknen.
Ausgerechnet im August, mitten in der Reifezeit, dreht sich das Bild. Dann fallen nur noch rund siebzig Millimeter, kaum mehr, als in derselben Zeit verdunstet. Winzer müssen ihre Weinberge in manchen Jahren sogar bewässern — mitten in einer der regenreichsten Weinregionen Europas.
Die Weinberge selbst liegen niedrig für europäische Verhältnisse, meist zwischen fünfzig und fünfhundert Metern. Rund um Sviri sind es etwa zweihundertzwanzig, in der neuen Zone Obcha zwischen hundertzwanzig und vierhundertzwanzig. Höhe zählt hier also weniger als anderswo. Wichtiger ist, ob ein Hang genug Wind abbekommt, um zwischen zwei Regengüssen wieder trocken zu werden.