
Kaukasus als Schutzwall
Klima
Der Große Kaukasus wirkt wie eine Mauer. Im Norden Kachetiens ragen einzelne Gipfel über viertausend Meter auf und halten die kalten Luftmassen aus Russland zurück, lange bevor sie überhaupt das Alazani-Tal erreichen können. Was ankommt, ist meist schon abgeschwächt und trägt kaum noch Kälte in sich. Das Ergebnis ist ein kontinentales Klima mit langen, warmen Sommern und Wintern, die selten wirklich hart werden. Milde Winter ersparen den Reben das Anhäufeln, das weiter nördlich nötig wäre.
Regen fällt vor allem im Frühling und im Herbst, insgesamt vierhundert bis sechshundert Millimeter im Jahr, nicht viel, aber meist zur richtigen Zeit verteilt. Im Hochsommer bleibt es oft wochenlang völlig trocken. Pilzkrankheiten haben dadurch kaum eine Chance, und viele Winzer verzichten fast vollständig auf Spritzungen. Wer durch die Weinberge um Gurjaani fährt, sieht deshalb selten dichte Laubwände.
Ein zweiter Höhenzug wirkt gegengleich. Das Tsiv-Gombori-Gebirge trennt das Alazani-Tal vom trockeneren Iori-Becken im Westen und fängt Feuchtigkeit ab, die von der anderen Seite sonst weiterziehen würde. Zwischen Talsohle und höchstem Weinberg liegen über fünfhundert Höhenmeter, genauer: von rund zweihundertfünfzig bis achthundert Metern. Darin steckt viel Spielraum: Wer Säure retten will, pflanzt hoch, wer auf Fülle setzt, bleibt unten in der Ebene.
In Kvareli drängen sich die Weinberge dicht an den Gebirgsfuß heran. Kühle Fallwinde aus dem Kaukasus ziehen abends durch die Reihen und sorgen dort für kalte Nächte, selbst wenn der Tag zuvor brütend heiß war und die Trauben in der Mittagssonne fast zu kochen schienen. Genau das gibt dem Saperavi aus Kvareli seine Balance zwischen Süße und Säure.
Wärmere Sommer sind auch hier spürbar. Manche Betriebe lesen inzwischen früher. Andere pflanzen neue Parzellen bewusst höher am Hang, in der Hoffnung, dass die Berge im Norden auch künftig genug Kühle durchlassen, damit die Säure in der Traube nicht schon vor der Ernte verschwindet.