Rebsorten in der Region Kachetien

Rkatsiteli & Saperavi

Rebsorten

Eine Sorte sticht heraus: Rkatsiteli. Sie steht auf gut vierzig Prozent der georgischen Rebfläche, mehr als jede andere Traube des Landes. Der Name bedeutet wörtlich roter Trieb, nach der rötlichen Farbe des jungen Holzes im Frühjahr, nicht nach der Farbe der hellgrünen Beeren selbst. Sie treibt spät aus und reift spät. Das schützt sie vor Spätfrösten, und selbst in heißen Jahren hält sie ihre Säure erstaunlich gut.

Schon beim Auspressen sieht der Saft fast schwarz aus. Der Grund ist eine Seltenheit. Saperavi trägt dunkel gefärbtes Fruchtfleisch direkt unter der dunklen Schale, eine Eigenschaft, die man Färbertraube nennt. Damit macht die Traube ihrem Namen alle Ehre, denn Saperavi bedeutet schlicht Farbstoff oder Färber. Kachetische Rotweine tragen deshalb eine Farbtiefe, wie man sie aus Bordeaux oder der Toskana kaum kennt, dazu hohe Säure und kräftiges Tannin — eine Kombination mit Lagerpotenzial für Jahrzehnte.

Daneben stehen drei weitere einheimische Sorten, die fast nur hier wachsen. Mtsvane Kakhuri heißt übersetzt der Grüne aus Kachetien und ergänzt Rkatsiteli in vielen Weinbergen, mit Blütenduft und einer weicheren Säure. Kisi liefert im Qvevri vergoren Aromen von reifer Birne, Ringelblume und Walnuss. Sie zählt heute zu den gefragtesten Bernsteinweinen der Region. Khikhvi verschwand in der Sowjetzeit fast aus den Weinbergen und überlebte nur in wenigen Bauerngärten, duftet nach Aprikose und Akazienblüte und erlebt seit einigen Jahren eine kleine Wiedergeburt.

Wie genau man die Sorten mischt, ist bei manchen Weinen sogar gesetzlich festgelegt. Für einen Tsinandali müssen mindestens fünfundachtzig Prozent Rkatsiteli im Tank stehen, den Rest darf höchstens Mtsvane Kakhuri füllen. Die Regel geht auf Chavchavadzes Rezept aus dem neunzehnten Jahrhundert zurück und gilt bis heute unverändert.

Rkatsiteli und Saperavi tragen den Weinbau der Region. Allein sind sie trotzdem nicht: Botaniker zählen in Kachetiens Weinbergen an die achtzig einheimische Sorten, viele davon nur auf einzelnen Parzellen erhalten. Von den knapp dreißig geschützten Herkunftsbezeichnungen Georgiens liegen zwanzig hier, mehr als in jeder anderen Region des Landes.

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