Verkosten in der Region Kartlien

An einem Chinuri

Verkosten

Ein Glas Chinuri aus der Qvevri verrät sich schon in der Farbe. Bernsteinfarben bis kupferrot ist sie, nicht das blasse Gelb, das man von einem Weißwein erwartet. Diese Farbe kommt allein vom langen Kontakt mit der Schale, nicht von einem Zusatz. Ein Tavkveri daneben wirkt fast schüchtern — blassrot, fast durchscheinend, eher wie ein kräftiger Rosé als wie ein Rotwein.

Riech zweimal. Im ruhigen Glas kommt bei einem Qvevri-Chinuri oft Quitte, manchmal auch reifer Apfel und ein Hauch Bienenwachs. Das sind Spuren des Wachses, mit dem man das Tongefäß von innen versiegelt. Nach dem Schwenken folgt etwas Nussiges, fast wie getrocknete Walnuss, dazu ein leicht salziger Ton. Shavkapito riecht ganz anders: Kirsche, Pfeffer, Veilchen. Dieses Wachsige fehlt ihm dabei ganz, weil er nie in Ton reift.

Im Mund fällt beim Chinuri sofort das Tannin auf — ungewöhnlich für einen weißen Wein. Es ist spürbar als leicht austrocknendes Gefühl auf der Zunge, das von der langen Maischezeit stammt. Dazu kommt eine Säure, die selbst nach Monaten in der Qvevri kaum nachgelassen hat. Genau dieses Zusammenspiel aus Tannin und Säure macht einen guten Qvevri-Chinuri zum Essensbegleiter und nicht zum Solisten. Ein zu junger Wein wirkt dabei oft noch kantig, erst nach ein, zwei Jahren in der Flasche runden sich Tannin und Säure zueinander ab.

Beim Atenuri zählt zuerst die Perlage: feine, anhaltende Bläschen, die von echter zweiter Gärung stammen und nicht künstlich zugesetzt sind. Am Gaumen bringt Chinuri seine Säure mit, straff und belebend, während Goruli Mtsvane für etwas Rundung sorgt. Zähl am Ende die Sekunden, die der Geschmack nach dem Schlucken bleibt. Bei einem einfachen Tavkveri sind das oft nur wenige. Bei einem gut gereiften Qvevri-Chinuri können es zwanzig oder mehr Sekunden sein, und genau diese ungewöhnliche Länge unterscheidet am Ende einen bloßen Alltagswein von einem Wein, an den man sich noch Jahre später erinnert.

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