Böden in der Region Kreta

Kalk und Mergel

Böden

Grab ein Loch in einen Weinberg bei Archanes. Schon bald stößt die Schaufel auf Stein. Meist nach zwanzig, dreißig Zentimetern. Fast siebzig Prozent der Insel bestehen aus Kalkgestein, abgelagert, als große Teile Kretas noch Meeresboden waren. Genau dieses Gestein trägt fast jeden Weinberg von Peza bis Sitia.

Um Archanes und Peza ist der Kalk verwittert zu gelblichem Mergel, einer feinen Mischung aus Ton und Kalk, dazwischen liegen helle, ausgewaschene Kalksteinbrocken. Die Rebwurzel findet darin wenig Nahrung und muss sich weit hinunterarbeiten, um an Wasser zu kommen. Genau diese Anstrengung hält die Erträge niedrig und die Beeren klein.

In Dafnes ist der Boden noch karger. Er enthält mehr Steine und mehr Kalziumkarbonat als in Peza, und die Reben stehen dort oft auf reinem Schutt. Liatiko mag diese Enge. Wo der Boden wenig hergibt, verdichtet sich der Saft in der Beere, und aus wenig Wasser wird am Ende viel Wein mit Tiefe.

Ein zweiter Boden hat Kreta vor einer Katastrophe bewahrt, die halb Europa im neunzehnten Jahrhundert traf. Die Reblaus, ein Wurzelschädling aus Amerika, kommt in lockerem Sand kaum voran, weil sie sich darin nicht von Wurzel zu Wurzel graben kann, und die sandigen Böden mancher Lagen hielten sie deshalb bis in die 1970er-Jahre fern. Bis heute stehen auf Kreta wurzelechte Reben, die nie auf eine amerikanische Unterlage gepfropft wurden.

Ein Irrtum hält sich hartnäckig, auch hier: Der Kalk schmeckt angeblich im Wein mit. Das stimmt so nicht — die Wurzel nimmt nur gelöste Mineralstoffe in winzigen Mengen auf, weit zu wenig für einen eigenen Geschmack. Was der Kalk wirklich tut, ist Wasser speichern und langsam wieder abgeben, dazu tagsüber Wärme aufnehmen und nachts zurückgeben. Dieser Umweg über Wasser und Wärme prägt den Wein, nicht das Gestein selbst.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne, rötlich-braune Lage aus verwittertem Kalk und Ton, stellenweise mit hellen Kalksteinsplittern durchsetzt.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie holen, was der seltene Regen bringt — und sind als Erste trocken.

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