Klima in der Region Naoussa

Vermio als Schutzwall

Klima

Wer eine Wetterkarte über Naoussa legt, sieht zwei Klimazonen, die eigentlich nicht zusammengehören. Nach der Köppen-Skala ist die Gegend mediterran-gemäßigt, mit deutlich kontinentalen Zügen – ein Etikett, das selten genug vorkommt, um erwähnenswert zu sein. Im Sommer klettert das Thermometer auf bis zu 35 Grad, im Winter fällt gelegentlich Schnee auf die Weinberge.

Genau zwischen diesen beiden Extremen liegt die Erklärung, warum Xinomavro so lange am Stock bleiben darf. Rund 650 Millimeter Regen fallen im Jahr, die meisten davon im Herbst und Winter, gerade rechtzeitig für die Wurzeln, aber nicht für die reifenden Trauben. Über zweitausend Sonnenstunden und mehr als zweitausendfünf Gradtagen kommen zusammen. Sie sorgen dafür, dass die Beeren trotzdem voll ausreifen, bevor die Kälte kommt.

Höhe und Ausrichtung machen aus derselben Zone sechs verschiedene Klimate. Die Weinberge von Trilofos und Stenimachos liegen nur hundert bis hundertfünfzig Meter über dem Meer. Sie zählen zu den heißesten Lagen der Zone. Während der Reifephase misst man hier an über fünfzig Tagen mehr als 30 Grad. Wer stattdessen Richtung Fyteia oder in die Berglagen über Arkochori fährt, steht schon bei über 350 Metern in einer spürbar kühleren, feuchteren Luft, mit den höchsten Niederschlägen der ganzen Zone während der gesamten Wachstumsperiode.

Das Vermio-Gebirge im Rücken der Reben ist dabei mehr als Kulisse. Es blockt kalte Nordwinde ab und lässt die Südosthänge die Sonne fast ungestört einfangen. Genau diese Kombination braucht eine so spät reifende Sorte wie Xinomavro. Ohne diesen Schutz käme die Traube über den September gar nicht erst hinaus.

Und der September ist der entscheidende Monat. Xinomavro erreicht seine Reife erst wenige Tage, bevor die Temperaturen im Herbst spürbar fallen. Dieses enge Zeitfenster verschiebt sich mit dem Klimawandel Jahr für Jahr: Wo die Ernte früher Anfang Oktober begann, beginnt sie heute oft schon Mitte September. Winzer in den höheren Lagen sind froh über jeden Meter, den ihre Reben über dem Talboden liegen.

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